200 Antidiskriminierungsprojekte an Schulen droht die Streichung der Förderung
Dragan Zimmer200 Antidiskriminierungsprojekte an Schulen droht die Streichung der Förderung
Mehr als 200 Antidiskriminierungsprojekte an deutschen Schulen stehen bis Ende des Jahres vor der Streichung ihrer Förderung. Die Entscheidung hat bei Pädagog:innen und Aktivist:innen Besorgnis ausgelöst – besonders an Schulen mit einer vielfältigen Schülerschaft. Am Kölner Genoveva-Gymnasium etwa haben rund 90 Prozent der Schüler:innen einen Migrationshintergrund.
Zu den betroffenen Initiativen zählen langjährige Programme wie das Kölner Demokratiefest, das eigentlich mehrjährige Förderzusagen erhalten hatte. Viele dieser Projekte setzen sich für queere Jugendliche ein oder bekämpfen rassistische und ethnische Diskriminierung. Felix Bjerke, Lehrer und Koordinator des Programms "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" an seiner Schule, arbeitet mit Organisationen wie 180 Grad Wende und Transaidency zusammen, um Workshops zu Antirassismus und Extremismusprävention anzubieten.
Ein großer Teil der gestrichenen Projekte ist in Ostdeutschland angesiedelt, wo der Einfluss rechtsextremer Kräfte wächst. Die Kürzungen haben zudem die Debatte über die politische Neutralität von Lehrkräften verschärft – ein Thema, das häufig von der rechtspopulistischen AfD vorangetrieben wird. Als Reaktion haben sich über 200 Organisationen, darunter die Amadeu Antonio Stiftung, zu einem Bündnis zusammengeschlossen und die Petition "Schulen stellen sich quer" gestartet. Sie fordern Politiker:innen auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.
Bildungsministerin Karin Prien verteidigte die Änderungen mit dem Argument, solche Programme müssten "breit in der Mitte der Gesellschaft verankert" sein. Kritiker:innen werfen der Regierung vor, Schulen damit wichtige Ressourcen im Kampf gegen Diskriminierung und Hass zu entziehen.
Die Umstellung der Fördergelder tritt bis Dezember vollständig in Kraft und lässt viele Schulen ohne etablierte Unterstützungsnetzwerke zurück. Lehrkräfte wie Bjerke stehen nun vor der Frage, wie sie ihre Antidiskriminierungsarbeit fortsetzen sollen. Die Initiator:innen der Petition hoffen, dass der politische Druck noch vor dem endgültigen Beschluss zu einem Umdenken führt.






