Abgesagtes Chefket-Konzert im HKW entfacht Streit um Kulturpolitik und Zensur
Gordon AdlerAbgesagtes Chefket-Konzert im HKW entfacht Streit um Kulturpolitik und Zensur
Abgesagtes Konzert im Berliner Haus der Weltkulturen entfacht Debatte über Kulturpolitik und Meinungsfreiheit
Das abgesagte Konzert des Rappers Chefket im Berliner Haus der Weltkulturen (HKW) hat eine heftige Diskussion über Kulturpolitik und künstlerische Freiheit ausgelöst. Die einst als Vorreiter multikultureller Programmgestaltung gefeierte Institution steht nun unter scharfer Kritik, nachdem sie dem Rapper die Bühne verwehrte. Die Auseinandersetzung spaltet die Öffentlichkeit: Während Kritiker dem HKW vorwerfen, Extremismus zu fördern, verteidigen Befürworter seine Rolle als Plattform für vielfältige Stimmen.
Die Kontroverse trifft das HKW in einer ohnehin turbulenten Phase. Bereits zuvor war die Einrichtung für ihre postkoloniale Ausrichtung unter der ersten rein nicht-weißen Führung in die Kritik geraten. Aktuelle Entwicklungen haben nun Bundesbehörden veranlasst, die Finanzierung und Aufsicht öffentlich geförderter Kulturräume neu zu bewerten.
Auslöser des Streits war die Absage von Chefkets Konzert im HKW Anfang 2026. Der vom Goethe-Institut als "Rap-Botschafter" bezeichnete Künstler sollte eigentlich am Jahrestag eines Hamas-Angriffs auf Israel auftreten – zudem hatte er bei früheren Auftritten ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" getragen, das in arabischer Kalligrafie die Umrisse Israels zeigte. Kulturminister Wolfram Weimer setzte die Veranstaltung unter Druck und erreichte schließlich die Absage. Die Entscheidung löste Empörung aus: Aus Solidarität sagten daraufhin alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im HKW ab.
Konservative und gemäßigtere Stimmen verurteilten das Haus, weil es angeblich antisemitische Positionen eine Bühne biete, und forderten strengere Kontrollen oder sogar die Streichung von Fördergeldern. Progressive Kreise hingegen werteten den Schritt als Zensur und warfen der Politik vor, marginalisierte Stimmen zum Schweigen zu bringen. Der Konflikt veränderte das Image des HKW – vom Pionier der Multikulturalität zur polarisierenden Institution.
Die Krise spitzte sich weiter zu, als der Satiriker Jan Böhmermann eine Ausstellung im HKW mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" ankündigte – eine bewusste Auseinandersetzung mit den Turbulenzen des Hauses. Seine Beteiligung sowie Weimers Vorgehen beschädigten den internationalen Ruf des HKW zusätzlich. Zwar führt die Institution weiterhin internationale Künstler wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil auf, doch politisch bleibt sie trotz ihrer zentralen Lage in Berlin, unweit des Kanzleramts, weitgehend ignoriert.
Seit der Ernennung von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zum Intendanten 2023 ist das HKW die erste große deutsche Kultureinrichtung, die ausschließlich von People of Color geleitet wird. Seine postkoloniale Programmarbeit stieß jedoch auf Widerstand und vertiefte die Spannungen in der deutschen Kulturszene. Die Affäre um Chefket zwingt nun zu einer grundsätzlichen Debatte: Wie weit dürfen öffentlich finanzierte Räume gehen, wenn es darum geht, Inklusion und Provokation in Einklang zu bringen?
Die Absage von Chefkets Konzert hat das HKW ins Zentrum eines größeren Konflikts um künstlerische Freiheit und politische Verantwortung gerückt. Bundespolitisch werden derzeit die Kulturförderungen überprüft – wahrscheinlich mit strengeren Auflagen für Einrichtungen, die in ähnliche Kontroversen geraten. Für das HKW wird sich zeigen, ob es seinen Ruf als Brücke zwischen Kulturen zurückgewinnen kann – oder ob es zum Dauerbrennpunkt in Deutschlands polarisierten Debatten wird.






