20 February 2026, 13:34

AfD in der Kritik: Wie Familienmitglieder zu parlamentarischen Posten kommen

Ein gelbliches, altes Blatt Papier mit sauberer, lesbarer Schreibschrift, das angeblich ein Brief des deutschen Finanzministers an seine Frau ist.

AfD: Klaus Esser sollte nicht mehr nicht arbeitende Senior einstellen - AfD in der Kritik: Wie Familienmitglieder zu parlamentarischen Posten kommen

Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) steht nach Enthüllungen über mehrere Abgeordnete, die Familienmitglieder für parlamentarische Positionen eingestellt haben, in einer Reihe von Kontroversen. Ein Fall betrifft eine 80-jährige Frau, Rosemarie Z., die im Büro des AfD-Landesabgeordneten Klaus Esser beschäftigt ist. Es gibt Zweifel an ihrer Arbeitsfähigkeit in diesem Alter, während Esser jede Schuld von sich weist.

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Rosemarie Z. wird offiziell als Mitarbeiterin in Essers Büro geführt, doch ihr hohes Alter wirft Fragen nach ihren tatsächlichen Aufgaben auf. Ihr Ehemann, Werner Z., soll Teil eines internen Netzwerks um Esser sein und seine eigene Anstellung angeblich über ihre Position erhalten haben. Auf Anfrage von Der Spiegel lehnten beide eine Stellungnahme ab.

Esser wies Vorwürfe der Vetternwirtschaft zurück und argumentierte, er setze sich für eine stärkere Einbindung älterer Menschen in die parlamentarische Arbeit ein. Allerdings steht er bereits wegen anderer Vorwürfe vor Gericht, darunter ein Hausverbot und ein Verfahren wegen des Verdachts gefälschter akademischer Abschlüsse.

Der Fall ist kein Einzelfall. In den vergangenen Wochen wurden bundesweit mehrere ähnliche Vorfälle bekannt. So sind Angehörige von AfD-Politikern in Sachsen-Anhalt in Büros des Bundestags beschäftigt, während die Ehefrau eines sächsischen Landtagsabgeordneten seit 2017 für den AfD-Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla arbeitet. Zudem hat die Ehefrau des Europaabgeordneten Maximilian Krah eine Position bei einem weiteren AfD-Politiker inne.

Die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel räumte ein, dass die Anstellung von Angehörigen und engen Vertrauten Missbrauchspotenzial berge. Sie forderte gesetzliche Reformen, um die Regeln für solche Personalentscheidungen klarer zu fassen, und betonte die Notwendigkeit von Transparenz.

Die AfD sieht sich zunehmend mit Kritik an ihren Einstellungspraktiken konfrontiert, da mehrere Abgeordnete beschuldigt werden, Familienmitglieder bei der Vergabe parlamentarischer Posten bevorzugt zu haben. Weidels Forderung nach strengeren Vorschriften kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Essers Fall die größeren Bedenken hinsichtlich der Verantwortungskultur in der Partei verstärkt. Das Ergebnis der laufenden Gerichtsverfahren gegen ihn könnte richtungsweisend für künftige Fälle sein.