Akademischer Wandel: Deutsche meiden die USA, US-Forscher fliehen nach Europa
Dragan ZimmerAkademischer Wandel: Deutsche meiden die USA, US-Forscher fliehen nach Europa
Deutsche akademische Austauschprogramme stehen vor tiefgreifenden Veränderungen auf zwei Ebenen. Das Interesse deutscher Studierender an einem Studium in den USA ist um etwa 10 Prozent gesunken, während gleichzeitig immer mehr US-Forschende nach Europa blicken, um neue Chancen zu nutzen. Unterdessen stellt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) seine Aktivitäten in Russland ein, nachdem er von Moskau als "unerwünschte Organisation" eingestuft wurde.
Der Rückgang der Bewerbungen deutscher Studierender für US-Hochschulen fällt mit wachsenden Sorgen um die Forschungsfinanzierung zusammen. Seit der Amtszeit von Donald Trump hat politische Unsicherheit die Mittel für Klimaforschung an Schlüsselinstitutionen wie dem Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA bedroht. Der Bundesstaat Kalifornien hat mit einem vorgeschlagenen Investitionsvolumen von 23 Milliarden Dollar reagiert, um die Arbeit des JPL zu sichern. Doch die allgemeinen Kürzungen haben auch Spitzenuniversitäten wie Harvard, Stanford und Princeton getroffen – insbesondere in der Klimaforschung, wo Drittmittel zunehmend wegbrechen.
Gleichzeitig wenden sich US-Wissenschaftler:innen in wachsender Zahl Europa zu. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft verzeichnen einen deutlichen Anstieg an Anfragen von Forschenden aus den USA. Die Bewerbungen für DAAD-Stipendien für Masterstudiengänge in Deutschland haben sich mehr als verdoppelt – ein klarer Indikator für diesen Trend. DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee betonte: "Es gibt derzeit viel Bewegung", da Kürzungen bei den Forschungsgeldern Wissenschaftler:innen ins Ausland treiben.
In Russland folgt die Schließung der DAAD-Büros auf die Einstufung als "unerwünschte Organisation" durch das russische Justizministerium. Das Moskauer Büro sowie das Deutsche Haus für Forschung und Innovation werden geschlossen. Russischen Bürger:innen drohen nun strafrechtliche Konsequenzen, sollten sie weiterhin mit dem DAAD kooperieren.
Die Entwicklungen markieren eine deutliche Neuausrichtung der globalen akademischen Ströme: Deutsche Studierende ziehen sich aus den USA zurück, während US-Forschende in Europa Stabilität suchen. Mit dem Rückzug des DAAD aus Russland wird die Zusammenarbeit dort zudem durch rechtliche Hürden erschwert – ein weiterer Faktor, der die internationalen Forschungsnetzwerke nachhaltig verändern wird.






