Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage feiert rauschhafte Premiere in Wien
Gordon AdlerAngélica Liddells radikale Mishima-Hommage feiert rauschhafte Premiere in Wien
Angélica Liddell hat bei den Wiener Festwochen ihre neueste Performance, Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben, uraufgeführt. Die zweistündige Produktion setzt sich mit den Themen Tod und Ritual auseinander und bezieht sich dabei stark auf Leben und Werk des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima.
Die Idee zu der Inszenierung entstand, nachdem Liddell 2024 in Madrids Gran Vía miterlebte, wie sich eine Frau in den Tod stürzte. Dieses Erlebnis erschütterte sie zutiefst und wurde zum Auslöser für das Stück. Mishima, der Liddell seit ihrer Jugend prägt, steht im Mittelpunkt der Arbeit – die Aufführung rekonstruiert sein rituelles Seppuku, das er 1966 in einem Kurzfilm inszenierte, bevor er sich 1970 das Leben nahm.
Liddells Ensemble, Atra Bilis Teatro, sammelte für die Performance Kleidung Verstorbener. Auf der Bühne zieht sie diese Gewänder an und verkörpert so die Rollen und Todesgeschichten derer, die sie einst trugen. Die Produktion setzt auch auf markante Momente schwarzhumoriger Brechung, etwa wenn ein sich selbst bewundernder Bodybuilder mit sich entkleidenden jungen Männern kontrastiert wird.
Einer der intensivsten Augenblicke zeigt Liddell und eine japanische Mitspielerin, die sich auf der Bühne Blut abnehmen lassen und es vermischen. Die Aufführung steigert sich zu einem kraftvollen Höhepunkt, in dem Liddell eine leidenschaftliche Verteidigung des Suizids hält.
Die Premiere ist ein weiterer kühner Streifzug durch die Verbindung von Sterblichkeit und Kunst. Indem sie Mishimas Erbe mit persönlichen und gesammelten Todeserfahrungen verwebt, hinterlässt die Performance einen nachhaltigen Eindruck. Das Publikum wird mit schonungslosen, ungeschönten Reflexionen über den letzten Akt des Lebens konfrontiert.






