03 March 2026, 00:17

Apothekerverband droht mit Protesten gegen Pläne für Apotheken ohne Apotheker

Ein Plakat mit Text über Arzneimittelpreisunterschiede im Jahr 2022, mit ein paar Flaschen und einer Spritze unten.

Apothekerverband droht mit Protesten gegen Pläne für Apotheken ohne Apotheker

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (ABDA) hat die Pläne der Bundesregierung für "Apotheken ohne Apotheker" scharf angegriffen. Thomas Preis, Präsident der ABDA, kündigte an, sein Verband werde den Vorstoß blockieren, und rief zu einer Protestwelle ab Ende Januar auf. Seine Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Spannungen um Finanzierung und Verantwortlichkeiten im Apothekensektor zunehmen.

Preis warf Bundesgesundheitsministerin Sabine Dittmar (SPD) vor, zentrale Forderungen zu ignorieren – obwohl ihr Vorgänger noch Erhöhungen der Vergütungen unterstützt hatte. Der Streit markiert das Ende dessen, was er als "politische Flitterwochen" der schwarz-roten Koalition bezeichnete.

Im Mittelpunkt des Konflikts steht ein Gesetzentwurf von Ministerin Dittmar, in dem Preis alte Ideen ihres Vorgängers Karl-Josef Laumann (CDU) wiederaufleben sieht. Besonders umstritten ist der Plan, Apotheken auch ohne anwesenden Apotheker betreiben zu dürfen. Preis lehnte dies kategorisch ab und erklärte: "Das werden wir nicht zulassen." Er betonte, dass qualifiziertes Personal vor Ort sein müsse, um die Arzneimittelsicherheit der Patienten zu gewährleisten.

Ein weiterer zentraler Streitpunkt bleibt die Finanzierung. Preis verwies darauf, dass Ärzte nur einen Tag nach Dittmars Absage an eine Gebührenerhöhung für Apotheken eine Lohnerhöhung erhalten hätten. Die Anhebung der Festvergütung auf 9,50 Euro sei kein Geschenk, sondern eine "Notwendigkeit" – besonders angesichts der Inflation. Die ABDA hatte dem Ministerium über 40 Änderungsvorschläge unterbreitet, die allesamt abgelehnt wurden.

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Obwohl Preis Dittmar als "verlässliche Partnerin" bezeichnete, kritisierte er, dass sie Apotheken mehr Verantwortung auflasten wolle, ohne ausreichende Unterstützung zu bieten. Er forderte die vollständige Umsetzung des Koalitionsvertrags, einschließlich jährlicher Anpassungen der Vergütungen – wie in anderen Gesundheitsbereichen üblich. Seine Verärgerung wuchs, als er daran erinnerte, wie der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) 2023/2024 eine ähnliche Erhöhung bewilligt hatte, während die aktuellen Verhandlungen nun feststecken.

Um den Druck zu erhöhen, kündigte Preis einen "Protestfrühling" ab Ende Januar an. Die Kampagne soll eine öffentliche Petition sowie Aufrufe zu Demonstrationen umfassen, an denen sich alle Apotheken und Mitarbeiter beteiligen sollen. Preis machte deutlich, dass sich Apotheker nicht länger bei Entscheidungen im Gesundheitswesen übergehen lassen würden.

Die Protestaktionen der ABDA beginnen Ende Januar mit einer Petition und einer bundesweiten Beteiligung der Apotheken. Preis hat klargestellt, dass die Apotheker auf der Festvergütung von 9,50 Euro sowie jährlichen Anpassungen bestehen – analog zu den Regelungen, die Ärzte bereits durchgesetzt haben. Der Streit wird nun zur Nagelprobe, ob die Koalition ihre früheren Zusagen einhält oder mit anhaltendem Widerstand aus dem Sektor rechnen muss.