ARD-Doku fragt: Ist Johannes Hartl der umstrittene Star der Bildzeitung-Bewegung?
Dragan ZimmerARD-Doku fragt: Ist Johannes Hartl der umstrittene Star der Bildzeitung-Bewegung?
Ein neues ARD-Dokument mit dem Titel "Die hippen Missionare" rückt den katholischen Influencer Johannes Hartl in den Fokus. Der von Ursula Müller und Ralph Gladitz für "Story im Ersten" produzierte Film untersucht Hartls Wirken im Gebetshaus Augsburg sowie seine Verbindung zur Bildzeitung. Der provokante Untertitel "Mit Jesus gegen die Freiheit?" lädt die Zuschauer ein, sich selbst ein Urteil zu bilden.
Johannes Hartl, Theologe, Psychologe und Autor, ist vor allem durch seine YouTube-Reihe "Hartls Senf" und seine Leitung des Gebetshauses Augsburg bekannt geworden. Die Dokumentation hinterfragt seinen Einfluss – insbesondere seine Gebete gegen "dämonische Mächte" und frühere Äußerungen zur Homosexualität. Kritiker und ehemalige Anhänger kommen im Film zu Wort und zeichnen, wie die ARD es formuliert, das Bild eines "modern-korrekten Gesichts christlicher Existenz".
Einen Schwerpunkt legt die Produktion auch auf die Bildzeitung-Bewegung, die von Bischof Stefan Oster unterstützt wird. Der Film stellt sie als Gegenentwurf zu dem dar, was die Macher als "mit liberaler Theologie gleichgesetzte Freiheit" bezeichnen. Statt Hartl und seine Anhänger an biblischen Maßstäben zu messen, bewertet die Dokumentation sie am eigenen gesellschaftlichen Konsens – ein Ansatz, der kaum gegen das positive Bild junger Christen ankommt, die im Gebetshaus Augsburg Sinn gefunden haben.
Die ARD-Dokumentation reiht sich ein in frühere Medienberichte über ähnliche Persönlichkeiten, darunter der ProSieben-Beitrag über "radikale Christen" oder der ZDF-Bericht über "christliche Influencer mit rechtem Gedankengut". Trotz des reißerischen Titels bleibt der Film ein bemerkenswerter Beitrag in der ARD-Mediathek.
Die Dokumentation bietet eine kritische Auseinandersetzung mit Hartls Arbeit und dem größeren Phänomen charismatischer christlicher Bewegungen. Sie überlässt es den Zuschauern zu entscheiden, ob solche Figuren eine Bedrohung für moderne Werte darstellen – oder schlicht eine andere Form des Glaubensausdrucks. Die Veröffentlichung des Films trägt zu der anhaltenden Debatte über die Rolle der Religion in der heutigen Gesellschaft bei.