06 January 2026, 09:15

Bremen feiert 200 Jahre Eiswetten: Warum die Weser nie zufriert

Ein schwarzes Tablett mit einem Teller mit Essen, einer Schüssel Suppe und einem unbekannten Gegenstand.

Wette auf Kohl - Ist die Weser zugefroren? - Bremen feiert 200 Jahre Eiswetten: Warum die Weser nie zufriert

Jeden Januar findet in Bremen eine skurrile Tradition statt: das Eiswetten-Fest. Dabei versammeln sich Hunderte, um an einem Brauch teilzuhaben, der bis ins Jahr 1829 zurückreicht. Damals wetteten 18 lokale Kaufleute darüber, ob die Weser bis zum frühen Jahresbeginn komplett zufrieren würde. Seither wird die Wette fast ausnahmslos jedes Jahr wiederholt – und lockt nicht nur Schaulustige an, sondern sammelt auch Spenden für den guten Zweck.

Alles begann 1829, als eine Gruppe von 18 Händlern eine Wette über den Zustand des zugefrorenen Flusses abschloss. Ihr Einsatz: Sollte die Weser bis Januar eine geschlossene Eisdecke bilden, würde ein als Schneider verkleideter Schauspieler versuchen, sie zu Fuß zu überqueren – mit einem glühenden Bügeleisen in der Hand. Hielt das Eis, gewann er ein gemeinschaftliches Mahl aus Grünkohl und Wurst. Doch der Fluss blieb nie lange genug vereist, und das Urteil fiel stets gleich aus: „De Werser geiht!“* („Die Weser fließt!“).

Mittlerweile findet das Eiswetten-Fest am dritten Samstag im Januar statt, mit rund 800 Gästen jährlich. Zwar hat es der Schneider noch nie geschafft, den Fluss zu überqueren, doch die Stimmung bleibt stets ausgelassen. Seit Jahrzehnten stehen Rettungskräfte der Seenotretter bereit – für alle Fälle. Die Tradition dient zudem einem guten Zweck: Die Spenden kommen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zugute. Trotz seines spielerischen Charakters wurde das Spektakel in fast 200 Jahren nur wenige Male abgesagt. Der Preis – ein deftiges Essen – bleibt unbeansprucht, doch der Geist der Veranstaltung lebt als beliebter lokaler Brauch weiter.

Die Eiswette bringt auch im Winter die Menschen zusammen und verbindet Humor mit Geschichte. Zwar endet die Herausforderung des Schneiders jedes Mal gleich, doch das Fest sammelt Gelder für die Rettungsdienste und hält eine Tradition des 19. Jahrhunderts am Leben. Beim nächsten Mal wird die Weser erneut auf ihre Eisdicke geprüft – und die Begeisterung der Zuschauer auf eine harte Probe gestellt.