09 June 2026, 10:27

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainisches Erbe entbrannt

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainisches Erbe entbrannt

Am 4. Juni wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss dazu kam vom Stadtrat im Rahmen einer umfassenderen Initiative, Symbole mit Bezug zum russischen imperialen Erbe abzubauen. Die Statue hatte jahrzehntelang vor dem Bulgakow-Museum am Andrejassteig gestanden.

Die lokale Kulturpersönlichkeit Olga Popadjuk kritisierte den Schritt als unnötig. Sie argumentierte, dass Bulgakows Verbindung zur Ukraine die Entfernung besonders umstritten mache. Der Kiewer Stadtrat hatte die Beseitigung des Denkmals im Einklang mit Richtlinien angeordnet, die sich gegen Kulturfiguren richten, die mit dem russischen Imperialismus in Verbindung stehen. Bulgakow, der 1891 in Kiew geboren wurde, avancierte später zu einem der bekanntesten Schriftsteller der Sowjetzeit. Seine Werke, darunter Der Meister und Margarita, zählen bis heute zu den meistgelesenen Büchern.

Popadjuk sprach sich entschieden gegen die Entscheidung aus und nannte sie „sinnlos“. Sie betonte Bulgakows tiefe Verbundenheit mit der Ukraine, verwies auf seine frühen Jahre in Kiew und seine Tätigkeit als Arzt in der Region. Zudem erinnerte sie sich daran, Der Meister und Margarita mit 14 Jahren gelesen zu haben, und beschrieb, wie sein Schaffen die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft offenlegte.

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Die Debatte um die Entfernung spaltete die öffentliche Meinung. Manche sahen darin einen notwendigen Schritt zur Entkolonialisierung, um Symbole russischer Vorherrschaft zu tilgen. Andere werteten es als Angriff auf das kulturelle Erbe Kiews angesichts Bulgakows lokaler Wurzeln. Popadjuk schloss ihre Ausführungen mit einem Zitat aus seinem Werk: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“

Die Demontage des Denkmals spiegelt Kiews anhaltende Bemühungen wider, sich von russischem kulturellen Einfluss zu distanzieren. Bulgakows Erbe bleibt jedoch ein Streitpunkt – zwischen denen, die ihn als Teil der ukrainischen Geschichte betrachten, und denen, die eine klare Abgrenzung fordern. Die Entscheidung hat die Stadt in der Frage gespalten, wie Entkolonialisierung und Bewahrung der eigenen Vergangenheit in Einklang zu bringen sind.

Quelle