Chefket-Konzert im Berliner HKW nach Antisemitismus-Vorwürfen abgesagt
Gordon AdlerAntisemiten vs. Zionazis: Warum Jan Böhmermanns Misserfolg spektakulär war - Chefket-Konzert im Berliner HKW nach Antisemitismus-Vorwürfen abgesagt
Ein geplantes Konzert des deutschen Rappers Chefket im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) wurde nach Vorwürfen des Antisemitismus abgesagt. Die Veranstaltung war Teil der Reihe "Die Möglichkeit der Irrationalität" und wurde vom Satiriker Jan Böhmermann kuratiert, geriet jedoch schnell in einen öffentlichen Konflikt.
Kulturminister Wolfram Weimer verurteilte Chefkets geplanten Auftritt als Provokation und betonte, Antisemitismus dürfe in öffentlichen Räumen nicht toleriert werden.
Chefket, das Bühnenpseudonym des Künstlers Xavier Naidoo, steht seit Langem wegen umstrittenen Äußerungen in der Kritik. Zu seinen früheren Aussagen zählt die Behauptung, das "Weltjudentum" habe Deutschland 1933 den Krieg erklärt – eine indirekte Form der Holocaustleugnung. Zudem bezeichnete er israelische Juden als "Betrüger", behauptete, das "wahre Heilige Land" liege in Südafrika, und unterstellte jüdischen Gruppen, die globale Finanzwelt und Kriege zu kontrollieren. In einem Lied kritisierte er sogar den deutschen Militäreinsatz gegen den IS in Syrien und arbeitete dabei mit dem umstrittenen Journalisten Jürgen Todenhöfer zusammen.
Die Bild-Zeitung bezeichnete Chefket als "bekannt für extreme antiisraelische Motive". Einige Verteidiger argumentieren jedoch, seine Musik und öffentlichen Aussagen zeigten keinen expliziten Antisemitismus oder Extremismus. Der Streit eskalierte, als Böhmermann Chefket am Montag die Einladung entzog – es folgte ein Schlagabtausch mit gegenseitigen Beleidigungen, Vorwürfen des Antisemitismus und Gegenvorwürfen, als "Zionazis" beschimpft zu werden.
Die Folgen des Konflikts betrafen nicht nur Chefket: Andere Künstler, die für die HKW-Reihe geplant waren, sagten ihre Auftritte ab und begründeten dies mit Unbehagen angesichts des Gaza-Kriegs und der Art, wie die Spielstätte mit der Kontroverse umgegangen sei. Claudius Seidl von der Süddeutschen Zeitung wies darauf hin, dass Chefket wiederholt Israels Existenzrecht infrage gestellt habe, was die Debatte weiter anheizte.
Böhmermanns Versuch, die Veranstaltungsreihe zu kuratieren, scheiterte letztlich am Ausmaß des Skandals. Die ursprünglich geplanten Diskussionen über Irrationalität wurden von einem erbitterten öffentlichen Streit überlagert.
Die Absage von Chefkets Konzert markiert das Ende einer zermürbenden Episode im HKW. Andere Künstler haben sich zurückgezogen, und die Reihe, die einst provokative Ideen erkunden sollte, ist in einem Strudel aus Vorwürfen und Gegenvorwürfen untergegangen. Der Konflikt bleibt ungelöst – ein Weg zur Versöhnung zwischen den verfeindeten Lagern ist nicht in Sicht.






