01 January 2026, 19:49

Coca-Cola-Chef zerpflückt Deutschlands Bürokratie und warnt vor Standortnachteilen

Ein Zaun mit Pfählen, Bäumen und Gebäuden im Hintergrund.

Coca-Cola-Chef zerpflückt Deutschlands Bürokratie und warnt vor Standortnachteilen

John Galvin, der Deutschland-Chef von Coca-Cola Europacific Partners (CCEP), hat scharfe Kritik am hiesigen Wirtschaftsstandort geübt. Er nannte überbordende Bürokratie, explodierende Kosten und zähe Genehmigungsverfahren als zentrale Hindernisse für Unternehmen. Seine Äußerungen reiht sich ein in wachsende Sorgen um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Galvin bezeichnete Investitionen in Deutschland als unnötig kompliziert – selbst kleine Projekte arteten oft in langwierige Kraftakte aus. Verantwortlich dafür machte er die Zuständigkeiten zahlreicher Behörden und ein undurchdringliches Regelwerk, das zu Verzögerungen führe, wie sie in anderen Ländern unbekannt seien. Trotz aller Frustration betonte er jedoch, dass CCEP keine Pläne verfolge, Produktionsstätten ins Ausland zu verlagern. Die 6.100 Mitarbeiter an 24 deutschen Standorten blieben vorerst gesichert.

Zusätzlich belasten seiner Ansicht nach stark gestiegene Strompreise, hohe Löhne und eine wachsende Zahl an Krankheitstagen die Unternehmen. Zwar begrüßte Galvin Bundeskanzler Friedrich Merz’ Ankündigung, die Bürokratie abzubauen, doch mahnte er: "Jetzt müssen Taten folgen." Seine Worte decken sich mit denen von BDI-Präsident Peter Leibinger, der jüngst die aktuelle Wirtschaftslage als die schwerste Krise seit Gründung der Bundesrepublik bezeichnete.

Die Verantwortung für Verbesserungen liegt nun bei Schlüsselpolitikern: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) gestaltet den Haushalt 2026 mit Fokus auf Wachstum und Investitionen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) treibt unterdessen die übergreifende Reform der Wirtschaftspolitik voran. Auf Landesebene setzen sich Rheinland-Pfalz’ Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) und Thüringens Wirtschaftsminister Boos-John mit lokalen Maßnahmen für weniger Bürokratie und moderne Regelwerke ein.

Galvins Kritik unterstreicht die seit Langem bekannten Schwächen des deutschen Wirtschaftsstandorts. Zwar hat die Regierung Reformen versprochen, doch kämpfen Unternehmen weiterhin mit Verzögerungen, hohen Kosten und regulatorischen Hürden. CCEP bleibt vorerst seinem Deutschland-Engagement treu – doch der Druck auf schnelleren Wandel wächst.