13 February 2026, 05:31

Düsseldorf wagt digitales Experiment mit geheimen Ratsabstimmungen – doch Kritik bleibt

Ein Blatt Papier mit einer Zeichnung von zwei Frauen und einem Mann, Farboptionen oben und dem Text "The Devonshire, or Most Approved Method of Securing Votes".

Düsseldorf wagt digitales Experiment mit geheimen Ratsabstimmungen – doch Kritik bleibt

Der Düsseldorfer Stadtrat bereitet die Einführung digitaler Abstimmungen für seine Sitzungen vor – einschließlich geheimer Wahlen. Der Schritt folgt einer rechtlichen Prüfung, die bestätigte, dass das System mit den geltenden Gesetzen vereinbar ist. Dennoch bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und der Möglichkeit, die Ergebnisse zu überprüfen, ohne die Anonymität der Wähler zu gefährden.

Deutschland hatte zwischen 1999 und 2009 elektronische Wahlgeräte eingesetzt. Das Bundesverfassungsgericht verbot sie jedoch mit der Begründung, dass sie nicht öffentlich nachprüfbar seien. Seither wurden in kommunalen Parlamenten keine flächendeckenden digitalen Abstimmungssysteme eingeführt.

Der Düsseldorfer Stadtrat plant nun, die Plattform OpenSlides zu nutzen, eine digitale Lösung, die bereits von politischen Parteien und Gewerkschaften eingesetzt wird. Die Software verwaltet Rednerlisten und Abstimmungen, doch ihr Umgang mit geheimen Wahlen stößt auf Kritik. Emanuel Schütze, der Gründer von OpenSlides, argumentiert, dass eine nachprüfbare digitale Geheimwahl die Anonymität der Wähler untergraben könnte.

Kritiker wie Chris Demmer von der Linken bestehen darauf, dass digitale Systeme weiterhin anfällig für Manipulationen seien. Die Linken-Fraktion fordert Düsseldorf auf, bei geheimen Abstimmungen auf die herkömmliche Stimmabgabe mit Stift und Papier zu setzen. Ihrer Meinung nach bieten physische Wahlzettel eine klare, fälschungssichere Dokumentation – etwas, das digitale Systeme nicht garantieren könnten.

OpenSlides wurde bereits auf Bundesparteitagen und kleineren Veranstaltungen genutzt. Dennoch bleiben Fragen offen, ob das Abstimmungssystem sowohl Transparenz als auch Anonymität ohne Risiko gewährleisten kann.

Die Entscheidung Düsseldorfs, OpenSlides einzuführen, markiert einen Schritt in Richtung digitaler Abstimmungen in der Kommunalpolitik. Die rechtliche Zulässigkeit des Systems wurde bestätigt, doch die Debatten über Sicherheit und Nachprüfbarkeit halten an. Vorerst wird der Stadtrat das neue Verfahren umsetzen, während Gegner auf eine Rückkehr zur manuellen Stimmabgabe drängen.