Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum Straßenzeitungen bundesweit verschwinden
Gordon AdlerDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum Straßenzeitungen bundesweit verschwinden
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – verkauft von obdachlosen Händlern – verzeichnet seit Jahren einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die Auflage ist von einst 40.000 auf weniger als 12.000 Exemplare pro Monat gesunken. Dieser Schwund spiegelt eine bundesweite Krise der Straßenzeitungen wider, die vor allem durch digitale Konkurrenz und eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Verkäuferinnen und Verkäufern verursacht wird.
Gegründet von Hubert Ostendorf, ist "fiftyfifty" seit Langem eine Überlebenshilfe für Obdachlose in Düsseldorf. Die Händler verdienen durch den Verkauf der Zeitschrift ein Einkommen, während das Projekt mit den Erlösen essenzielle Dienstleistungen finanziert – von der Straßensozialarbeit über die tierärztliche Versorgung obdachloser Hunde ("Underdog") bis hin zu "Housing First"-Initiativen. Ohne diese Einnahmen droht vielen Programmen die Schließung.
Trotz einer Preiserhöhung von 2,80 auf 3,40 Euro, um steigende Kosten zu decken, ließ sich der Niedergang nicht aufhalten. Besonders Verkäufer mit Migrationshintergrund berichten von wachsendem Rassismus und aggressiven Übergriffen durch Passanten. Hinzu kommen die Verdrängung durch digitale Medien, geringere Fußgängerfrequenzen in den Innenstädten und die Nachwirkungen der Pandemie, die die Verkaufszahlen zusätzlich belasten.
Mindestens fünf weitere deutsche Straßenzeitungen – darunter die "Berliner Stadtrundschau", "Frankfurter Beton" und "Münchner Strassenfeger" – verzeichneten seit 2020 ähnliche Einbrüche von 40 bis 70 Prozent. Viele setzen inzwischen auf digitale Formate wie "fiftyfifty-ObdachLOS", eine Online-Rubbellos-Ausgabe, bei der weiterhin die Hälfte der Einnahmen an die Händler fließt. Doch das gedruckte Heft bleibt entscheidend – es sorgt für Sichtbarkeit, hält das Thema Obdachlosigkeit im öffentlichen Bewusstsein und verbindet Verkäufer, Leser und Gesellschaft.
Für die Händler ist die Zeitschrift mehr als eine Einnahmequelle: Sie gibt Struktur, Würde und ein Gefühl von Gemeinschaft. Über den Verkauf hinaus dient "fiftyfifty" als Sprachrohr, das Missstände aufdeckt und sich gegen die Diskriminierung Obdachloser einsetzt.
Die Zukunft des Magazins hängt davon ab, Print- und Digitalstrategien klug zu verknüpfen und gleichzeitig der wachsenden Ablehnung in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken. Bisher halten die Erlöse aus dem Verkauf, Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie die wichtigsten Projekte am Laufen. Doch ohne eine Trendwende könnte Düsseldorfs Netzwerk für obdachlosenhilfe drastische Kürzungen erleben.