22 January 2026, 07:21

EU plant bahnbrechende Reform: „EU Inc.“ soll Unternehmensrecht revolutionieren

Ein altes Dokument mit einem goldenen Rahmen und einem Wappen, betitelt mit "Johann Wolfgang von Goethes Wiener Vertrag, 1777".

EU plant bahnbrechende Reform: „EU Inc.“ soll Unternehmensrecht revolutionieren

Die Europäische Union bereitet sich darauf vor, im März eine große Reform des Unternehmensrechts einzuführen, mit dem Ziel, eine einheitliche Struktur unter dem Namen "EU Inc." zu schaffen. Der als 28. Gesellschaftsrechtsrichtlinie bekannte Vorschlag wurde von der deutschen Europaabgeordneten Anna Deparnay-Grunenberg ausgearbeitet und diese Woche in Straßburg vorgestellt. Unterdessen haben die breiter geführten Debatten über die wirtschaftliche Zukunft Europas an Dringlichkeit gewonnen – nicht zuletzt aufgrund äußerer politischer Druckfaktoren.

Der Rahmen der 28. Gesellschaftsrechtsrichtlinie wird als Richtlinie vorgelegt, was den Mitgliedstaaten Flexibilität bei der Umsetzung lässt. Doch genau dieser Ansatz birgt die Gefahr, ihre Wirkung abzuschwächen, wie frühere Versuche zeigen – etwa der 30-jährige Kampf um die Verabschiedung der Verordnung über die Europäische Gesellschaft. Die Erfahrung lehrt, wie schwer es ist, unter 27 Nationen Einstimmigkeit zu erreichen.

Der Reformdruck wächst, während der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, in diesem Jahr mit dem Karlspreis in Aachen ausgezeichnet wird. Sein kürzlich veröffentlichter Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit Europas fordert gezielte Industriepolitiken, weniger Handelsbarrieren und schnellere Genehmigungsverfahren für Energieprojekte. Diese Empfehlungen decken sich mit wachsenden Sorgen um die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Kontinents.

Auch geopolitische Spannungen haben die Diskussionen beschleunigt. Der Fokus der EU auf mehr Autonomie – insbesondere in den Bereichen Finanzen und Industrie – hat angesichts sich verschiebender globaler Machtverhältnisse an Schärfe gewonnen. Der Ökonom Grégoire Roos argumentiert, Europa müsse grenzüberschreitende Bankenfusionen zulassen und verhindern, dass Kapital in die USA abfließt, wo die Renditen oft höher sind. Zudem plädiert er für eine stärkere Kapitalmarktunion und Reformen der Wettbewerbspolitik, um global konkurrenzfähige Unternehmen aufzubauen.

Das vorgeschlagene "EU Inc."-Modell wird die Fähigkeit des Blocks auf die Probe stellen, Unternehmensregeln über die unterschiedlichen Volkswirtschaften hinweg zu harmonisieren. Gelingt dies, könnte es die Art und Weise, wie Unternehmen im Binnenmarkt agieren, grundlegend verändern. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, ob die Mitgliedstaaten ihre langjährigen Differenzen überwinden und tiefgreifende Reformen umsetzen können.