15 March 2026, 06:32

EU-Saatgutgesetz bedroht Vielfalt: Kleine Produzenten kämpfen ums Überleben

Ein Buch mit dem Titel "Archias Saatgut-Jahrbuch 1941" mit einem Cover, das Tomaten, Gurken, Paprika und Gläser mit verschiedenen Gemüsen zeigt.

EU-Saatgutgesetz bedroht Vielfalt: Kleine Produzenten kämpfen ums Überleben

Ein geplanter EU-Gesetzentwurf zur Saatgut-Zulassung hat bei Kleinproduzenten und Hobbygärtnern Besorgnis ausgelöst. Die seit Februar 2026 verhandelte Verordnung droht, strenge Auflagen und hohe Kosten für den Handel mit traditionellem Saatgut einzuführen. Kritiker warnen, dass seltene Pflanzensorten verschwinden könnten, sollte das Gesetz in seiner aktuellen Form verabschiedet werden.

Die neue EU-Regelung würde Saatguthersteller verpflichten, strenge Zertifizierungsstandards zu erfüllen und hohe Gebühren zu zahlen. Viele kleine Anbieter in Düsseldorf fürchten, dass sie diese Kosten in den Ruin treiben könnten. Der Organisator Michael Bonke warnt, dass die hohen Compliance-Kosten Nischenzüchter zur Aufgabe zwingen könnten.

Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss arbeiten bereits daran, die biologische Vielfalt zu schützen, indem sie Saatgut kostenlos verleihen. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss berichtet von einer wachsenden Nachfrage nach bestimmten Sorten unter Hobbygärtnern. Ohne kleine Produzenten könnten diese Gärtner bald nur noch auf standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne angewiesen sein.

Das Europäische Parlament hat Ausnahmen gefordert, um Kleinbetriebe zu entlasten, doch der Rat der Agrarminister bevorzugt einen strengeren Ansatz. Die Selbstversorgerin Anne Mommertz befürchtet, dass das Gesetz die Artenvielfalt verringern könnte, indem es den Handel mit seltenem Saatgut erschwert. Die Verhandlungen zwischen den EU-Gremien ziehen sich seit Anfang 2026 hin, ohne dass eine Lösung in Sicht ist.

Wird das Gesetz verabschiedet, könnte es den europäischen Saatgutmarkt grundlegend verändern, indem es den Zugang zu traditionellen Sorten einschränkt. Kleine Produzenten könnten sich die Zertifizierung kaum leisten, was Gärtnern weniger Auswahl lässt. Das Ergebnis der EU-Gespräche wird entscheiden, ob Nischenanbieter weiter bestehen können – oder ob seltene Sorten vom Markt verschwinden.

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