Evonik-Chef Kullmann fordert radikale Reform des EU-Emissionshandels als "unwirksam und schädlich"
Georgine MansEvonik-Chef fordert Abschaffung des Emissionshandels - Evonik-Chef Kullmann fordert radikale Reform des EU-Emissionshandels als "unwirksam und schädlich"
Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender von Evonik, hat eine grundlegende Reform des EU-Emissionshandels gefordert. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisierte er die aktuellen Regelungen als unwirksam und schädlich für die europäische Industrie. Seine Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Evonik zu den weltweit führenden Unternehmen im Kampf gegen Treibhausgasemissionen zählt.
Kullmann argumentierte, das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) benachteilige mittlerweile europäische Unternehmen. Das System berücksichtige nicht die höheren Emissionen importierter Waren und setze heimische Industrien so ungeschützt dem unfairem Wettbewerb aus.
Den geplanten CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) bezeichnete er als "bürokratischen Trick ohne echte Wirkung". Seiner Meinung nach schütze die Maßnahme europäische Hersteller nicht vor Umwelt-Dumping durch ausländische Konkurrenten.
Der Konzernchef äußerte zudem grundsätzliche Bedenken zur globalen Zusammenarbeit. Industriestaaten arbeiteten nicht mehr an gemeinsamen Lösungen, sondern verfolgten zunehmend eigene Interessen, so Kullmann. Diese Entwicklung mache die aktuellen EU-Klimapolitik noch weniger effektiv.
Er forderte, das Emissionshandelssystem entweder abzuschaffen oder radikal zu reformieren. Als Begründung nannte er die sich verändernden globalen Wirtschaftsbedingungen, die schnelles Handeln erforderten.
Kullmanns Aussagen spiegeln die wachsende Unzufriedenheit europäischer Industrieführer mit der Klimapolitik wider. Sein Reformaufruf unterstreicht die Sorge, dass das aktuelle System die Wettbewerbsfähigkeit schwächt, ohne messbare Umweltvorteile zu bringen. Unter seiner Führung setzt Evonik zwar weiterhin auf ambitionierte Emissionsreduktionen, kritisiert aber gleichzeitig die bestehenden regulatorischen Ansätze.






