11 January 2026, 03:15

Friedrich Merz löst mit Brasilien-Kritik diplomatischen Eklat aus

Ein Zeitungsartikel mit Text und zwei Bildern.

Friedrich Merz löst mit Brasilien-Kritik diplomatischen Eklat aus

Die Spannungen zwischen brasilianischen Amtsträgern und Friedrich Merz, dem Vorsitzenden der deutschen unionsnahen CDU, haben sich zugespitzt. Der Streit begann, nachdem Merz während eines kürzlichen Besuchs Äußerungen getätigt hatte, die als Kritik an Brasilien gewertet wurden. Eduardo Paes, der Bürgermeister von Rio de Janeiro, wies ihn in einer scharfen sozialmedialen Auseinandersetzung öffentlich zurecht.

Die Auseinandersetzung eskalierte, als Merz – bekannt für seinen direkten, mitunter schroffen Stil – auf dem COP-Klimagipfel erneut als kritisch gegenüber Brasilien wahrgenommen wurde. Seine Bemerkungen riefen Assoziationen zu früheren deutschen Politikern mit umstrittenem Erbe wach. Paes konterte auf X mit einem Seitenhieb auf Merz’ Familiengeschichte: Dessen Großvater war Mitglied der NSDAP.

Auch andere Brasilianer schlossen sich der Kritik an. Ein Nutzer in den sozialen Medien riet Merz scharfzüngig, er solle sich "erst die Zähne putzen und duschen", bevor er sich über das Land äußere. Die Empörung fiel in eine Phase, in der Bundeskanzler Olaf Scholz, ebenfalls für den Gipfel in Brasilien, öffentlich seine Erleichterung über die Abreise zum Ausdruck brachte. Merz’ Hintergrund heizt die Debatte weiter an: Wie der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke – berüchtigt für diplomatische Fauxpas, etwa als er die First Lady Madagaskars mit "Liebe Madame Tananarive" anredete – stammt Merz aus dem Sauerland. Beide besuchten dieselbe Schule. Die Region, geprägt von ländlicher Tradition und eigenwilligen Bewohnern, steht in krassem Kontrast zu Brasiliens weltoffenen Metropolen.

Bereits Anfang dieses Jahres traf Merz im Oval Office mit Donald Trump zusammen. Das Treffen endete ohne größere Zwischenfälle – zur Erleichterung von CDU-Parteifreunden. Der Verbündete Armin Laschet merkte später an, Merz habe eine Bloßstellung vermieden.

Der Wortwechsel offenbart tiefe kulturelle und politische Gräben zwischen Deutschland und Brasilien. Merz’ Äußerungen, verbunden mit seiner persönlichen Geschichte, lösten scharfe Reaktionen brasilianischer Führungspersönlichkeiten aus. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie diplomatischer Missklänge deutscher Politiker im Ausland.