11 January 2026, 17:01

Glasfaser gegen Kupfer: Warum Deutschlands Netz-Umbau zum Machtkampf wird

Graffiti-bedeckter Zug mit sichtbaren Kabeln, Häuser mit Fenstern im Hintergrund.

Glasfaser gegen Kupfer: Warum Deutschlands Netz-Umbau zum Machtkampf wird

Deutschland treibt die Pläne voran, veraltete Kupfer-Telefonleitungen durch schnellere Glasfasernetze zu ersetzen. Die Umstellung zählt zu den größten Infrastrukturprojekten des Deutschlands seit Jahrzehnten. Doch ein Streit ist entbrannt: wie schnell der Wandel vollzogen werden soll – und wer entscheiden darf, wann die Kupfernetze endgültig abgeschaltet werden.

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) präsentierte im Oktober zentrale Maßnahmen, um den Übergang zu beschleunigen. Wettbewerber wie Deutsche Glasfaser, NetCologne und M-net unterstützen den Plan. Sie werfen der Deutschen Telekom vor, ihre VDSL-Kupfernetze gezielt in Betrieb zu halten – selbst in Gebieten, in denen Konkurrenten bereits Glasfaser verlegt haben. Die Unternehmen fordern ein allgemeines Initiativrecht, das es ihnen ermöglichen soll, die Abschaltung der Kupfernetze zu erzwingen, sobald die Glasfaserabdeckung ein bestimmtes Niveau erreicht – selbst gegen den Willen der Telekom.

Die Verbände Breko und VATM, die kleinere Anbieter vertreten, begrüßen den BMDV-Vorschlag. Sie kritisieren die bisherige Vorgehensweise der Bundesnetzagentur als zu langsam und wirkungslos. Die Telekom wehrt sich unterdessen und bezeichnet erzwungene Abschaltfristen als verfassungswidrig und als Verstoß gegen EU-Recht. Das Unternehmen argumentiert, der Abbau der Kupferinfrastruktur sei wirtschaftlich unsinnig und vernichte Milliardenwerte. Zudem beharrt die Telekom darauf, ihr bestehendes Netz sei bereits glasfaserbasiert, da die Leitung bis zum Verteilungskasten (FTTC) aus Glasfaser bestehe und Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s biete. Ein zu frühes Abschalten von VDSL, warnt das Unternehmen, könnte Kunden in die Arme von Vodafones veralteten Koaxialkabelnetzen treiben – die im Vergleich zu echter Glasfaser (FTTH) als fünfmal weniger energieeffizient gelten. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) teilt die Bedenken und warnt, überstürzte Entscheidungen könnten Unternehmen mit instabilen Verbindungen zurücklassen. Der Wohnungswirtschaftsverband GdW befürwortet zwar den Glasfaserausbau, lehnt aber harte Eingriffe ab. Er warnt davor, Mieter durch staatliche Drohungen oder aggressive Haustürwerbung zu verunsichern.

Im Kern geht es in der Debatte darum, Geschwindigkeit, Wettbewerb und Zuverlässigkeit in Einklang zu bringen, während Deutschland sein digitales Rückgrat modernisiert.

Der Konflikt offenbart tiefe Gräben bei der Glasfaser-Offensive. Während Wettbewerber auf schnellere Kupfer-Abschaltungen drängen, pocht die Telekom auf den Schutz ihrer Investitionen. Das Ergebnis wird entscheiden, wie schnell Millionen Haushalte und Unternehmen auf echte Glasfaser umsteigen – und wer diesen Prozess steuert.