Gremmendorf diskutiert heiß: Sollten zwei belastete Straßennamen fallen?
Georgine MansGremmendorf diskutiert heiß: Sollten zwei belastete Straßennamen fallen?
Bezirksrat Südost entscheidet über Straßenumbenennung in Gremmendorf
Bezirksrat Südost entscheidet über Straßenumbenennung in Gremmendorf
5. Dezember 2025
Der Bezirksrat Südost der Stadt Münster wird am 9. Dezember 2025 darüber abstimmen, ob zwei Straßen in Gremmendorf umbenannt werden. Im Mittelpunkt der Debatte stehen der Lüderitzweg und der Woermannweg, die beide in der NS-Zeit benannt wurden und an Kolonialfiguren erinnern, denen schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Nach Jahren der Petitionen und öffentlicher Diskussionen fordern Anwohner:innen und lokale Vertreter:innen eine Änderung der Straßennamen.
Die Initiative zur Umbenennung begann zwischen 2020 und 2025, maßgeblich vorangetrieben von der Bürgerinitiative „Gremmendorf für Vielfalt“. In ihren Eingaben, die auf Grundlage von § 24 der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalens eingereicht wurden, argumentierte die Initiative, dass die Namensgeber der Straßen – Adolf Lüderitz und Adolph Woermann – mit kolonialen Gräueltaten in Verbindung stünden. Unterstützt wurde das Anliegen von der Münsterschen Stadträtin Ulrike Rüter, die eine Überprüfung der Straßennamen forderte.
Eine Prüfung durch die Stadtverwaltung bestätigte, dass beide Straßen in der NS-Zeit benannt und für propagandistische Zwecke genutzt wurden. Zudem ergab die Untersuchung, dass Lüderitz und Woermann in den Völkermord an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 verstrickt waren – ein Verstoß gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Auf dieser Grundlage empfahlen die Behörden eine Umbenennung, um historische Genauigkeit und die Richtlinien zur öffentlichen Erinnerungskultur zu wahren.
Eine Informationsveranstaltung im März 2025 zeigte jedoch eine gespaltene Meinung: Von den rund 50 Teilnehmenden vor Ort und online sprachen sich etwa die Hälfte für eine Umbenennung aus, die andere Hälfte lehnte sie ab. Trotz der kontroversen Diskussion wird der Bezirksrat nun im Dezember über den Antrag abstimmen.
Die anstehende Abstimmung ist das Ergebnis jahrelanger Petitionen, historischer Recherchen und öffentlicher Debatten. Sollte der Antrag angenommen werden, würden damit Bezüge zu Persönlichkeiten getilgt, die mit kolonialer Gewalt und NS-Propaganda in Verbindung stehen. Die Entscheidung wird zeigen, ob der Lüderitzweg und der Woermannweg ihre aktuellen Namen behalten oder an moderne Werte angepasst werden.