25 January 2026, 09:01

Jugendliche setzen beim ersten Sex auf Beziehungen und warten länger – doch Mythen bleiben gefährlich

Ein altes Buch mit einer detaillierten Karte von Deutschland, die verschiedene Regionen zeigt und begleitenden Text, der zusätzliche Informationen bietet.

Jugendliche setzen beim ersten Sex auf Beziehungen und warten länger – doch Mythen bleiben gefährlich

Jugendliche in Deutschland gehen ihre ersten sexuellen Erfahrungen zunehmend anders an – das zeigt die aktuelle Forschung. Eine neue Studie belegt, dass die meisten länger warten und Beziehungen bei diesem Schritt priorisieren. Doch Expert:innen warnen: Fehlinformationen und Kommunikationslücken bergen weiterhin Risiken.

Die 10. Jugendsexualitätsstudie des Bundesamts für Öffentliche Gesundheit (BÖG) kommt zu dem Ergebnis, dass das durchschnittliche Alter für erste sexuelle Kontakte gestiegen ist. Heute sind die meisten Jugendlichen 19 Jahre alt, wenn sie erstmals Geschlechtsverkehr haben. Zudem zeigte die Erhebung, dass 65 Prozent der Mädchen und 53 Prozent der Jungen ihr erstes Mal innerhalb einer festen Beziehung erleben.

Mechthild Paul, stellvertretende Direktorin des BÖG, betont, dass junge Menschen bewusste Entscheidungen treffen: Sie sprechen offen über Verhütung, warten auf den richtigen Moment und nehmen Vorsichtsmaßnahmen ernst. Rund zwei Drittel der Befragten – unabhängig vom Geschlecht – empfanden ihren ersten sexuellen Kontakt als zum richtigen Zeitpunkt geschehen. Trotz dieser positiven Entwicklung bleiben jedoch Bedenken: Die Deutsche Aidshilfe warnt vor gefährlichen Sex-Mythen, die sich in sozialen Medien verbreiten. Auch ChatGPT entwickelt sich zunehmend zu einer Anlaufstelle für Jugendliche auf der Suche nach Antworten. Gleichzeitig berichten Berater:innen von Pro Familia, dass sich viele Fragen heute weniger auf grundlegende Fakten als vielmehr auf emotionale Unsicherheiten konzentrieren. Die meisten Teenager wissen bereits über Verhütung und sexuell übertragbare Infektionen Bescheid.

Sexualkunde ist in deutschen Schulen zwar gesetzlich verankert, doch in manchen Familien wird das Thema weiterhin gemieden. Nicola Völckel von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) warnt, dass dieses Schweigen zu "gefährlichem Halbwissen" führen kann. Jennifer Löwenstein von Pro Familia rät Eltern, Gespräche bereits vor der Pubertät zu suchen, um spätere Peinlichkeiten zu vermeiden. AWO-Berater:innen ergänzen, dass sich die Fragen junger Menschen stärker nach Alter als nach Schulform unterscheiden: Jüngere Kinder interessieren sich oft für zukünftige Erwartungen, während ältere Jugendliche Rat zu Beziehungen und erfüllenden Erfahrungen suchen.

Die BÖG-Studie konzentrierte sich vor allem auf heterosexuelle Kontakte – entsprechend ihrem Auftrag, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Pro Familia, die größte nichtstaatliche Organisation für Sexual- und Partnerschaftsberatung in Deutschland, bietet weiterhin Aufklärungsprogramme in Städten wie Bochum und ganz Nordrhein-Westfalen an.

Die Ergebnisse deuten auf einen Wandel hin zu verantwortungsvollerem und geschützterem Sexualverhalten unter jungen Deutschen hin. Dennoch betonen Fachleute die Notwendigkeit besserer Kommunikation – sowohl zu Hause als auch in Schulen –, um Fehlinformationen entgegenzuwirken. Ohne offene Dialoge könnten unseriöse Quellen weiterhin das Verständnis junger Menschen von Sex und Beziehungen prägen.