Julia Ruhs verlässt NDR und wechselt als Kolumnistin zur *Bild*-Zeitung
Dragan ZimmerJulia Ruhs verlässt NDR und wechselt als Kolumnistin zur *Bild*-Zeitung
Die Journalistin Julia Ruhs hat nach monatelangen internen Konflikten um ihre politische Haltung den öffentlich-rechtlichen Rundfunksender NDR verlassen. Die 35-Jährige, bekannt als Moderatorin der Dokumentationsreihe Klar bei ARD und BR, wird künftig eine regelmäßige Kolumne für die Bild-Zeitung schreiben. Der Wechsel folgt auf ihre öffentliche Kritik an der mangelnden ideologischen Vielfalt beim NDR.
Ruhs, ausgebildete Politikwissenschaftlerin, hatte jahrelang für große deutsche Sender wie ARD und den Bayerischen Rundfunk gearbeitet. In ihrer Sendung Klar behandelte sie kontroverse Themen wie Migration und Sicherheitspolitik, was Berichten zufolge zu Spannungen innerhalb des NDR führte. Kollegen hinterfragten, ob ihre bürgerlich-konservativen Positionen mit der redaktionellen Ausrichtung des Senders kollidierten. Der NDR reduzierte schließlich ihre Rolle und plante, das Format ohne sie fortzuführen.
Nach ihrem Abschied warf Ruhs dem NDR vor, weniger Toleranz für ideologische Vielfalt zu zeigen als der BR. Sie behauptete, als "zu rechts" für den Sender eingestuft worden zu sein, und argumentierte, dass die Vermeidung kontroverser Debatten in den öffentlichen Medien die Zuschauer in Richtung weniger seriöser Quellen treibe. Ihre Kritik sorgte für Aufmerksamkeit, insbesondere da sie sich zuvor selbst als bürgerlich-konservativ bezeichnet hatte – mit Nähe zu Parteien wie FDP und CDU.
Bild kündigte umgehend ihre neue Kolumne Mein Standpunkt an, in der sie mindestens zweimal im Monat über politische und gesellschaftliche Themen schreiben wird. Marion Horn, Chefredakteurin der Bild, lobte Ruhs als "messerscharfe Analytikerin" mit "unverfälschter Perspektive". Das zum Axel-Springer-Verlag gehörende Boulevardblatt wirbt gezielt konservative, regierungskritische Stimmen an, um ein Gegengewicht zu den öffentlich-rechtlichen Sendern zu bilden. Ruhs’ prominenter Abschied vom NDR passt perfekt in diese Strategie.
Ihr kommendes Buch Links-grüne Meinungsmacht: Wie unser Land gespalten wird soll 2025 erscheinen. Der Titel spiegelt ihr anhaltendes Interesse an politischer Polarisierung wider – ein Thema, das sie auch in ihren Bild-Kolumnen vertiefen wird.
Ruhs’ Wechsel vom öffentlichen Rundfunk zu Bild markiert einen deutlichen Wandel ihrer Plattform. Ihre neue Kolumne verschafft ihr ein breiteres Publikum für ihre politischen Kommentare, während Bild eine bekannte Stimme für seine Kritik an vermeintlicher Voreingenommenheit der öffentlichen Medien gewinnt. Der Schritt folgt zudem einem größeren Trend, bei dem private Medien gezielt Persönlichkeiten anwerben, die etablierte Narrative infrage stellen.