Kartoffelbauern in der Krise: Rekordernte bringt kaum Gewinn trotz hoher Supermarktpreise
Georgine MansSpitzenkartoffelernte - Aber Verbraucher sehen kaum Nutzen - Kartoffelbauern in der Krise: Rekordernte bringt kaum Gewinn trotz hoher Supermarktpreise
Deutsche Kartoffelbauern kämpfen mit niedrigen Erträgen trotz Rekordernte
Trotz einer um über 5 Prozent gestiegenen Ernte kämpfen deutsche Kartoffelbauern mit sinkenden Einnahmen – das Angebot übersteigt die Nachfrage bei Weitem. Die Übersättigung des Marktes hat die Erzeugerpreise gedrückt, während die Supermarktpreise für Verbraucher weiter steigen.
Landwirte in Norddeutschland erhalten derzeit kaum mehr als 10 Euro für 100 Kilogramm Kartoffeln. Gleichzeitig zahlen Kundinnen und Kunden über 1,50 Euro pro Kilogramm – bis zu das Fünfzehnfache dessen, was die Erzeuger verdienen.
Überproduktion und starre Verträge verschärfen die Krise Hinter dem Problem stecken hohe Produktionsmengen und begrenzte Anpassungsfähigkeit des Marktes. Allein im vergangenen Jahr weitete sich die deutsche Kartoffelanbaufläche um fast 7 Prozent aus und erreichte über 300.000 Hektar. Viele Bauern bauen bestimmte Sorten an – etwa Speise-, Verarbeitungs-, Stärke- oder Pflanzkartoffeln –, basierend auf Verträgen, die bereits im Vorjahr abgeschlossen wurden. Die diesjährige Rekordernte hat nun zu Überschüssen geführt.
Nicht verkaufte Kartoffeln landen oft in Biogasanlagen oder werden zu Tierfutter verarbeitet. In seltenen Fällen bleiben sie sogar ungeerntet auf den Feldern, was jedoch das Risiko von Krankheitsausbreitung birgt und wo möglich vermieden wird. Der Überschuss schwächt zudem Deutschlands Position auf dem Weltmarkt, insbesondere bei Tiefkühlpommes, wo die Konkurrenz aus China und Indien wächst.
Preisschere zwischen Erzeugern und Handel wird immer größer In den letzten fünf Jahren stiegen die Kartoffelpreise im Supermarkt um 20 bis 30 Prozent. Die Einnahmen der Landwirte legten hingegen nur um 10 bis 15 Prozent zu. Diese Kluft spiegelt höhere Verarbeitungskosten, Handelsaufschläge, Energiekosten und Lieferkettenstörungen wider – von Extremwetter bis zum Ukraine-Krieg. Während Verbraucher tiefer in die Tasche greifen müssen, profitieren die Erzeuger kaum von den gestiegenen Einzelhandelspreisen.
Angesichts des aktuellen Überangebots bleiben den Bauern kaum Alternativen für nicht verkaufte Ernten. Der Großteil der Überschüsse wird zwar weiterverwertet, doch die Gewinne bleiben mager. Da der globale Wettbewerb zunimmt und die Produktionskosten steigen, wird sich die Schere zwischen Erzeuger- und Supermarktpreisen vorerst kaum schließen.






