27 January 2026, 00:57

Laumann attackiert Apothekenreform: "Versandhandel gefährdet lokale Versorgung"

Der Eingang zu einer Apotheke mit einem "Apotheke"-Schild auf der linken Seite, einer Tafel mit Text auf der rechten Seite und beleuchteten Lampen auf dem Dach.

Laumann attackiert Apothekenreform: "Versandhandel gefährdet lokale Versorgung"

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat scharfe Kritik am aktuellen Entwurf des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) geübt. Der Bundesrat wird über das geplante Gesetz an diesem Freitag beraten, wobei Laumann auf zentrale Änderungen drängt, um vor Ort ansässige Apotheken zu stärken und den Versandhandel strenger zu regulieren.

Laumann monierte insbesondere die fehlende Einheitlichkeit bei den Vergütungsstrukturen der Apothekerkammern und -verbände in den Bundesländern. Er forderte eine verhandelte Lösung, um eine faire Bezahlung der Apotheker zu gewährleisten, und warnte, dass ungleiche Regelungen zu Wettbewerbsnachteilen führen. Zu seinen Vorschlägen gehört auch eine verschärfte Kontrolle von Versandapotheken, die künftig verpflichtend angeben müssten, welche ausländische Apotheke die Medikamente tatsächlich liefert.

Der Minister betonte zudem die Notwendigkeit, am Prinzip der eigenverantwortlichen Apothekenführung durch approbierte Apotheker festzuhalten. Pläne zur Lockerung der Vorschriften für Filialapotheken lehnte er ab – mit der Begründung, dies könnte den Weg für große Ketten ebnen, die den Markt dominieren. Als Beispiel führte er den Zusammenbruch der Schlecker-Drogeriemarktkette an, der zu Versorgungslücken in der lokalen Arzneimittelversorgung geführt habe. Gleichzeitig unterstrich Laumann die Bedeutung der Modernisierung der Apotheken, insbesondere durch digitale Aufrüstung, um sie im Wettbewerb mit Online-Anbietern zu stärken. Trotz seiner Bedenken räumte er ein, dass ihm in seiner Amtszeit keine Beschwerden über die Leistung der Apotheken vorgelegt worden seien.

Nordrhein-Westfalen setzt sich nun für eine vereinfachte Apothekenbetriebsordnung ein, die sich auf Kernprinzipien konzentriert und überflüssige Bürokratie abgebaut. Ein zentraler Punkt ist dabei ein Versorgungszuschlag, der ab 2027 zwischen Apotheken und Krankenkassen ausgehandelt werden soll, um die Wettbewerbsnachteile gegenüber Versandapotheken auszugleichen. Die Landesregierung unterstützt Laumanns Reformvorhaben, die sich in die übergeordneten Pläne des Bundesgesundheitsministeriums zur Apothekenmodernisierung einfügen.

Die anstehende Debatte im Bundesrat wird zeigen, ob Laumanns Forderungen Gehör finden. Falls die Reformen beschlossen werden, könnten sie zu einer Vereinheitlichung der Apothekenfinanzierung, strengeren Regeln für den Versandhandel und einer Förderung digitaler Innovationen führen. Das Ergebnis wird maßgeblich darüber entscheiden, wie sich lokale Apotheken in einem zunehmend von Online-Konkurrenz geprägten Umfeld behaupten können.