31 January 2026, 21:00

Lokale Apotheken in Not: Wie Online-Konkurrenz traditionelle Betriebe verdrängt

Eine Apotheke mit einem vor ihr geparkten Fahrzeug und einem Gebäude links daneben.

Lokale Apotheken in Not: Wie Online-Konkurrenz traditionelle Betriebe verdrängt

Apotheken vor Ort kämpfen ums Überleben – Online-Konkurrenz verdrängt traditionelle Betriebe

In Deutschland stehen lokale Apotheken vor dem Aus: Immer mehr Kunden wechseln zu Apotheke Online, während die Zahl der stationären Apotheken dramatisch sinkt. Seit 2004 mussten fast 4.400 Filialen schließen – in vielen Stadtteilen gibt es nur noch eine Handvoll traditioneller Apotheken. Die aufstrebenden Digitalanbieter, gestützt durch prominente Werbung und automatisierte Systeme, drängen die klassischen Betriebe an den Rand des Ruins.

Der Wandel begann 2004, als die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) das Gebührensystem für Apotheken reformierte. Die Änderungen verschärften die finanziellen Bedingungen und zwangen viele Inhaber zur Aufgabe. Bis Ende 2025 wird Deutschland etwa ein Fünftel seiner Apotheken verloren haben – ein Rückgang von rund 21.000 im Jahr 2004 auf nur noch 16.601.

Online-Apotheken dominieren den Markt Dank günstigerer Preise, die auf anderen Rabattregelungen basieren, haben sich die Digitalanbieter durchgesetzt. Allein Redcare, einer der größten Player, hat in Deutschland bereits eine halbe Milliarde Euro Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten erzielt. Das Unternehmen setzt auf ein hochautomatisiertes System, das die 2.000 meistverkauften Arzneimittel ausgibt. Eine neue, KI-gesteuerte Anlage entsteht gerade, um noch mehr Bestellungen abwickeln zu können.

Werbung als Treiber des Wandels Prominente Werbekampagnen haben den Umbruch beschleunigt. Günther Jauchs Werbespots für Shop Apotheke Online und Redcare locken Kunden aus den lokalen Apotheken. Redcare zeigt die Jauch-Werbung sogar in einer Dauerschleife am Empfang – ein Zeichen für die Macht der Prominenz. Doch Apotheker wie Jan und Janet Olgemöller, die die Wasserturm-Apotheke in Essen führen, warnen vor den Folgen: In ihrem Stadtteil gibt es nur noch drei Apotheken, und Engpässe bei Notfällen zeigen die Risiken einer Abhängigkeit von fernen Online-Apotheken.

Die Olgemöllers befürchten, dass lokale Apotheken bald nur noch die kompliziertesten Fälle bearbeiten werden. Ohne Kurskorrektur könnten sie gezwungen sein, selbst auf Automatisierung zu setzen – allein, um mithalten zu können.

Ungewisse Zukunft für ein einst dichtes Netz Deutschlands Apothekenlandschaft, einst eine der dichtesten Europas, steht vor dem Umbruch. Veraltete Regularien und der harte Wettbewerb mit Digitalgiganten haben die Branche grundlegend verändert. Wenn die Zahl der Apotheken vor Ort weiter schrumpft, könnten Kunden bald fast ausschließlich auf automatisierte Systeme und entfernte Lager angewiesen sein – mit ungewissen Folgen für die Versorgung.