Marathon-Theater feiert Comeback: Warum lange Stücke wieder boomen
Deutsches Theater kehrt zu seiner Tradition der Marathon-Aufführungen zurück
Nach Jahren kürzerer Stücke erobern ausufernde Inszenierungen wieder die Bühnen. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen (1. bis 17. Mai) sind die Tickets für monumentale Werke wie Wallenstein bereits ausverkauft.
Die Vorliebe für lange Aufführungen hat im deutschen Theater tiefe Wurzeln. In den 1970er- und 1980er-Jahren sprengte das Regietheater Grenzen – etwa mit Robert Wilsons Einstein on the Beach, das vier bis fünf Stunden dauerte. Deutsche Bühnen wurden berühmt für immersive, marathontaugliche Erlebnisse.
Die Pandemie veränderte die Prioritäten: Theater kürzten Pausen und strafften Stücke, um gegen das Heimkino zu bestehen. Viele Produktionen kamen ohne Unterbrechung aus – und waren damit deutlich kürzer als früher.
Doch nun pendelt sich der Trend zurück. Die Berliner Volksbühne bringt Peer Gynt in einer Fassung auf die Bühne, deren erster Teil allein acht Stunden dauert. Die Münchner Kammerspiele zeigen Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos, das in diesem Jahr beim Theatertreffen zu sehen ist. Das Festival, eines der renommiertesten Deutschlands, lädt jährlich zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein.
Obwohl der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern führt, ist die Nachfrage unübersehbar: Die Tickets für das diesjährige Festival waren schnell vergriffen. Die Theater besinnen sich wieder auf lange, intensive Erlebnisse – und das Publikum kehrt zu den monumentalen Inszenierungen zurück. Der Erfolg des Theatertreffens zeigt: Marathon-Aufführungen bleiben ein zentraler Bestandteil der deutschen Theaterkultur.






