05 January 2026, 08:54

Merz’ lockere Sprüche beim G20: Diplomatie oder Fauxpas?

Eine Person steht an einem Podium, hält ein Papier und hat eine Wand und eine Tafel im Hintergrund.

Merz’ lockere Sprüche beim G20: Diplomatie oder Fauxpas?

Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seinem unverfälschten Redestil erneut für Diskussionen gesorgt. Während des jüngsten G20-Gipfels zogen seine lockeren Bemerkungen gegenüber Brasiliens Präsident Lula sowohl Lob als auch Kritik auf sich. Der Austausch umfasste eine scherzhafte Einladung – und eine Antwort, die schnell viral ging.

Laut Berichten schlug Lula Merz vor, Brasilien zu besuchen, um Land, Küche und Tanzkultur kennenzulernen. Der Kanzler soll darauf mit einem lässigen "Super, beim nächsten Mal gehen wir zusammen tanzen!" geantwortet haben – eine Äußerung, die manche als zu salopp für diplomatische Gepflogenheiten empfanden.

Merz’ Team betonte später, die beiden Staatschefs hätten ein 40-minütiges, "herzliches und konstruktives" Gespräch geführt. Dennoch entfachte die Bemerkung erneut Debatten über seine Neigung zu spontanen, unvorbereiteten Aussagen, die Anhänger als erfrischend preisen, Kritiker jedoch als leichtsinnig brandmarken. Nicht zum ersten Mal sorgt Merz’ direkter Stil für Schlagzeilen. Frühere Vorfälle umfassten verbale Ausrutscher, die manche Journalisten als authentisch verteidigten, andere hingegen als taktlos verurteilten. Der jüngste Vorfall folgt einem Muster: Merz’ Bereitschaft, diplomatische Floskeln zu umgehen – ähnlich wie einst US-Präsident Obama mit einem Scherz im britischen Parlament.

Unterdessen gestand der Der-Spiegel-Korrespondent Ernst Goyke, eine berühmte Anekdote über Altkanzler Heinrich Lübke erfunden zu haben, der Königin Elizabeth II. angeblich den Satz "Gleich geht’s los" zugerufen haben soll. Das Geständnis heizte die Debatte weiter an, wie – ob echt oder erfunden – die Worte von Politikern ihr öffentliches Bild prägen.

Der G20-Vorfall unterstreicht die anhaltende Spannung zwischen Merz’ persönlichem Auftreten und diplomatischen Erwartungen. Dass sein Team die 40-minütige Unterredung betont, deutet auf den Versuch hin, die Erzählung umzudeuten. Vorerst bleibt der Kanzlers unkonventionelle Art ein prägendes – und polarisierendes – Merkmal seiner Führung.