26 January 2026, 13:21

Münsters radikale Verkehrswende: Tempo 30 und mehr Rechte für Radfahrer:innen

Eine Stadtstraße mit Zebrastreifen, Fahrzeugen, einer Trennlinie, Verkehrsampeln, Schildern mit Text und Bildern, Gebäuden, Strommasten mit Drähten und einem bewölkten Himmel.

Münsters radikale Verkehrswende: Tempo 30 und mehr Rechte für Radfahrer:innen

Münster steht vor tiefgreifenden Veränderungen seines Verkehrssystems – geleitet von einem neuen Plan unter der Führung des Grünen-Oberbürgermeisters Tilman Fuchs. Die Stadt will Tempo-30-Zonen im gesamten Stadtzentrum ausweiten und damit Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und den öffentlichen Nahverkehr gegenüber dem Autoverkehr priorisieren. Die Pläne haben eine kontroverse Debatte ausgelöst, in der Oppositionsparteien die Folgen für Autofahrer:innen kritisieren.

Das Vorhaben ist Teil des Mobilitätsmasterplans 2035, mit dem Münster ein "klimaneutrales und stadtverträgliches" Verkehrsnetz schaffen will. Zentrale Ziele sind mehr Sicherheit, Gesundheit und Barrierefreiheit sowie eine Verringerung der Abhängigkeit vom Auto. Aktuell wechseln sich im Stadtgebiet häufig Tempo-30- und Tempo-50-Zonen ab, oft bereits nach wenigen hundert Metern auf derselben Straße.

Laut dem neuen Konzept werden weitere Straßen zu Fahrradstraßen umgewandelt, um Radfahrer:innen Vorrang vor Kraftfahrzeugen zu geben. Zudem sollen zusätzliche Busspuren den öffentlichen Verkehr beschleunigen. Doch die Umgestaltung hat ihren Preis: Allein ein Radwege-Projekt wird auf 50 Millionen Euro geschätzt. Insgesamt erfordert der Ausbau der Radinfrastruktur Investitionen in Höhe von zig Millionen. Die Koalition aus Grünen, SPD und Volt unter Fuchs plant darüber hinaus, Durchgangsverkehr und Schwerlastverkehr einzuschränken. Auch die Anzahl öffentlicher Parkplätze für Autos soll reduziert werden.

Die CDU, größte Oppositionspartei in Münster, lehnt die Pläne entschieden ab und wirft der Stadt vor, Autofahrer:innen unfair zu benachteiligen und den motorisierten Verkehr aus der Innenstadt verdrängen zu wollen. Fuchs und seine Unterstützer:innen betonen hingegen, dass die Maßnahmen Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und Busnutzer:innen schnellere und sicherere Wege ermöglichen werden. Der Plan setzt auf Gerechtigkeit, digitale Vernetzung und barrierefreie Gestaltung als Grundpfeiler der künftigen Mobilität in Münster.

Die Ausweitung der Tempo-30-Zonen und die Einschränkungen für den Autoverkehr werden die Fortbewegung in Münster grundlegend verändern. Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde sich der Verkehrsfluss, die Parkplatzsituation und die Priorisierung der Verkehrsmittel deutlich wandeln. Bevor endgültige Entscheidungen fallen, wird der Stadtrat die Vorschläge nun ausführlich beraten.