10 June 2026, 16:37

Nadav Lapid im Kreuzfeuer: Boykottaufrufe erschüttern Filmfestival in Marseille

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid im Kreuzfeuer: Boykottaufrufe erschüttern Filmfestival in Marseille

Der israelische Regisseur Nadav Lapid sieht sich wachsendem Druck ausgesetzt, sich vom internationalen Filmfestival FID Marseille zurückzuziehen. Eine Gruppe von rund zehn Filmemachern zog ihre Werke aus Protest gegen seine Teilnahme zurück. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen seine Verbindungen zu israelischen Kulturfördergeldern und seine Staatsbürgerschaft.

Lapid war als Jurymitglied zum Festival eingeladen worden. Doch Regisseure wie die franco-algerische Filmemacherin Narimane Mari zogen ihre Filme zurück und forderten seinen Ausschluss. Mari betonte, der Boykott richte sich nicht gegen Lapid persönlich, sondern gegen das politische und kulturelle Modell, das er verkörpere. Sie erklärte: „Wir verurteilen keinen Menschen – wir lehnen ein kulturelles und politisches System ab, das weiterhin aufrechterhalten wird.“

Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, der den Boykott verurteilte. Auch die Zeitung Le Monde veröffentlichte zwei Stellungnahmen zur Verteidigung Lapids. In einer, unterzeichnet von prominenten Persönlichkeiten, hieß es, seine mögliche Ausgrenzung solle „uns über diese Absurdität hinaus alarmieren und mobilisieren“. Eine weitere mit dem Titel „Kino ist keine Botschaft“ kritisierte, der Boykott reduziere einen Künstler auf seine Nationalität.

Lapid weigert sich, seine Kritiker als Feinde zu betrachten. Er vermutet, ihre Handlungen entsprängen „Ohnmacht, Wut und immenser Frustration über die politische Untätigkeit in Gaza“. Sein jüngster Film „Yes“ wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ beschrieben. Gegner seiner Festivalteilnahme wiesen darauf hin, dass der Film teilweise vom Israel Film Fund finanziert wurde, den sie als staatlich verbunden ansehen.

Lapid, ein lautstarker Kritiker der Regierung Benjamin Netanjahus, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Er äußerte Besorgnis über den eskalierenden Druck und warnte vor einer einschüchternden Wirkung auf Kultureinrichtungen aus Angst vor Kontroversen.

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Die Debatte offenbart tiefe Gräben zwischen kulturellen Boykottforderungen und künstlerischer Freiheit. Lapid bleibt zwar Jurymitglied des Festivals, doch der Streit hat internationale Aufmerksamkeit erregt. Die offenen Briefe und Stellungnahmen zeigen deutliche Unterstützung für sein Recht auf Teilnahme.

Quelle