Neue Wolfsjagd-Regeln spalten Umweltschützer und Schafzüchter in NRW
Georgine MansNeue Wolfsjagd-Regeln spalten Umweltschützer und Schafzüchter in NRW
Lockerung der Wolfsjagd: Was Umweltschützer und Schafzüchter sagen
Teaser: Bundesregierung lockert Wolfsabschuss: Neue Regeln wegen Gloria und Co. – wie NRW-Schäfer und Umweltschützer reagieren.
Artikeltext:
Deutschland hat neue Regeln zur Bewältigung der wachsenden Wolfspopulation eingeführt. Die Änderungen ermöglichen es den Bundesländern, Wölfe zu bejagen, die Nutztiere bedrohen – als Reaktion auf die zunehmenden Angriffe auf Farmtiere. Naturschutzverbände und Jägerverbände schlagen unterschiedliche Lösungsansätze vor, um die Situation in den Griff zu bekommen.
Allein im vergangenen Jahr töteten Wölfe bundesweit über 4.300 Nutztiere, trotz Schutzmaßnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden. In Nordrhein-Westfalen gab es 2025 insgesamt 61 Wolfssichtungen, wobei 21 Nutztiere Angriffen zum Opfer fielen. Die Bundesregierung hat nun die Einschränkungen für den Abschuss von sogenannten Problemwölfen gelockert – darunter auch Gloria, eine Wölfin aus derselben Region.
Der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßt die Entscheidung und schlägt ein strukturiertes Vorgehen vor. Er empfiehlt, zwischen Juni und Oktober 40 Prozent des jährlichen Populationwachstums zu bejagen, um die Rudelstrukturen nicht zu stören. Zudem regt der DJV an, eine Jagdzeit für junge Wölfe festzulegen und ganzjährig den Abschuss von Tieren zu erlauben, die wiederholt Nutztiere reißen.
Die Naturschutzorganisation NABU hingegen plädiert für besseren Herdenschutz statt verstärkter Bejagung. Sie warnt, dass Abschüsse die Wolfsrudel destabilisieren und zu mehr Angriffen auf ungeschützte Tiere führen könnten. Umweltschützer betonen zudem, dass eine zu aggressive Bestandsregulierung kleinere Wolfsgruppen an den Rand des Aussterbens drängen könnte.
Aktuell leben in Deutschland 209 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen, sechs davon in Nordrhein-Westfalen. Die neuen Vorschriften ermöglichen es den Ländern, ein "Populationsmanagement" umzusetzen, falls die Wolfszahlen stabil bleiben – und geben den Behörden damit mehr Spielraum im Umgang mit Konflikten.
Die überarbeiteten Regeln verlagern die Verantwortung auf die Landesregierungen, die nun Wölfe bejagen dürfen, die Zäune überwinden oder eine anhaltende Gefahr darstellen. Während Jägerverbände für kontrollierte Abschüsse plädieren, setzen Naturschützer auf verbesserten Schutz für Nutztiere. Die Debatte wird entscheiden, wie Deutschland in den kommenden Jahren den Artenschutz mit den Bedürfnissen der Landwirtschaft in Einklang bringt.