30 March 2026, 16:39

NRW gibt 287 Millionen Euro Digitalisierungsgelder ungenutzt zurück – was läuft falsch?

Blauer Hintergrund mit zentrierter weißer Schrift, die besagt: "Präsident Biden setzt sich dafür ein, bis 2030 jeden Amerikaner mit erschwinglichem Hochgeschwindigkeitsinternet zu verbinden."

NRW gibt 287 Millionen Euro Digitalisierungsgelder ungenutzt zurück – was läuft falsch?

Nordrhein-Westfalen gibt 287 Millionen Euro ungenutzte Digitalisierungsmittel zurück – Fortschritt in Frage gestellt

Nordrhein-Westfalen (NRW) hat 287 Millionen Euro nicht verwendete Mittel für die Digitalisierung zurückgegeben – ein Schritt, der Zweifel an den Fortschritten des Landes bei der Modernisierung der öffentlichen Verwaltung aufkommen lässt. Obwohl NRW in bundesweiten Digitalisierungsrankings gut abschneidet, fehlt es an einer klaren KI-Strategie, und die digitale Steuerung leidet unter Führungslücken.

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Die Digitalisierungsbemühungen des Landes sind von Rückschlägen geprägt. Der im Frühjahr 2023 eingeführte KI-Assistent des Landes befindet sich nach 18 Monaten immer noch in der Testphase und wird in der Verwaltung kaum flächendeckend genutzt. Während andere Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen zwischen 2019 und 2022 eigene Digitalministerien einrichteten, schuf NRW ein solches erst 2023. Zuvor war die Digitalpolitik dem Wirtschaftsministerium zugeordnet – einer Behörde, die sich vorrangig mit Wohnungsbau und Kommunalfinanzen beschäftigt.

Führungsvakuum bremst Entwicklung aus Die instabile Personalsituation in Schlüsselpositionen hat die Fortschritte zusätzlich verzögert. Die Position des Chief Information Officers (CIO) war über lange Zeiträume unbesetzt und wird nun von einem Staatssekretär wahrgenommen, der mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen muss. Die für die Digitalisierung zuständige Ministerin Ina Scharrenbach geriet in einer außerordentlichen Parlamentssitzung wegen Vorwürfen wie Mobbing am Arbeitsplatz, Machtmissbrauch und Verzögerungen in die Kritik. Mittlerweile zeigt sie sich offen für die Schaffung eines eigenständigen Digitalministeriums – ein Kurswechsel, den die digitalpolitische Sprecherin der FDP, Angela Freimuth, begrüßt.

Der Landesrechnungshof (LRH) fordert einen hauptamtlichen Digitalchef mit echten Entscheidungsbefugnissen, idealerweise angesiedelt in der Staatskanzlei. Der Haushaltsexperte Philipp Sprengel bezeichnete die Rückgabe von 287 Millionen Euro ungenutzter Mittel als ein "schlechtes Zeichen" für eine effiziente Verwaltung. Scharrenbach räumte die Herausforderungen ein und verwies auf die Komplexität, Reformen über mehrere Ressorts hinweg zu koordinieren.

Gemischte Bilanz trotz guter Platzierungen Trotz guter Bewertungen in Vergleichsstudien bleibt NRWs Digitalisierungsoffensive ungleichmäßig. Die Rückgabe nicht abgerufener Gelder, Führungsdefizite und die zögerliche KI-Einführung unterstreichen die anhaltenden Hindernisse. Die Forderung des Landesrechnungshofs nach einem hauptamtlichen Digitalverantwortlichen könnte künftige Reformen prägen – wann und wie eine Umsetzung erfolgt, bleibt jedoch ungewiss.

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