Pflege zu Hause kostet Familien bis zu 7.000 Euro monatlich – doch das System bleibt ungerecht
Georgine MansPflege zu Hause kostet Familien bis zu 7.000 Euro monatlich – doch das System bleibt ungerecht
Die meisten Menschen in Deutschland, die auf Langzeitpflege angewiesen sind, werden zu Hause versorgt – und nicht in Pflegeheimen. Neue Zahlen zeigen deutliche Unterschiede bei den Kosten zwischen stationärer und ambulanter Pflege. Kritiker bezeichnen das System als ungerecht, da Familien hohe finanzielle und zeitliche Belastungen tragen müssen.
Laut offiziellen Daten werden 85,9 % der Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause betreut. Mehr als die Hälfte – 54,5 % – erhält ausschließlich Unterstützung von Angehörigen. Diese pflegenden Familienmitglieder leisten im Schnitt 49 Stunden Betreuung pro Woche, wobei jeder Vierte mindestens 57 Stunden aufbringt.
Demgegenüber leben nur 14,1 % in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Doch die Kosten unterscheiden sich dramatisch: Im ersten Jahr zahlen Heimbewohner durchschnittlich 3.200 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Bei Schwerstpflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden, können die Eigenanteile dagegen über 7.000 Euro monatlich betragen.
Auch regional gibt es große Unterschiede. In Bayern zahlten Heimbewohner im ersten Jahr 2024 durchschnittlich 2.907 Euro pro Monat, nach zwölf Monaten sank der Betrag auf 2.701 Euro und nach 24 Monaten auf 2.311 Euro. Die Kosten für die häusliche Pflege lagen hingegen zwischen 340 und 7.441 Euro monatlich, der Median betrug 2.085 Euro.
Der Bundesverband der Angehörigenpflege kritisiert diese Diskrepanz als "skandalöses Ungleichgewicht". Die ambulante Pflege sei benachteiligt, obwohl das Sozialgesetzbuch (SGB XI) in § 3 den Grundsatz "ambulant vor stationär" verankert habe. Zwar dürfen Pflegebedürftige ihren Versorgungsort frei wählen, doch finanzielle Zwänge schränken diese Wahl oft ein.
Die Zahlen unterstreichen die enorme Belastung für Familien, die Angehörige zu Hause pflegen. Während die stationäre Versorgung teuer bleibt, sind die Kosten für Schwerstpflegebedürftige im eigenen Zuhause noch deutlich höher. Pflegeverbände fordern weiterhin Reformen, um die Unterstützung in allen Versorgungsformen gerechter zu gestalten.