17 June 2026, 18:25

RAW-Gelände in Berlin: Subkultur zwischen Räumung und rechtlichem Chaos

Investor ruft Frieden ab

RAW-Gelände in Berlin: Subkultur zwischen Räumung und rechtlichem Chaos

Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines langjährigen soziokulturellen Zentrums, steht auf dem Spiel – nach Jahren zäher, ergebnisloser Verhandlungen. Seit 2015 im Besitz der Kurth Group, entwickelte sich das Areal zu einem Kristallisationspunkt der Subkultur, doch nun droht sein Erhalt ernsthaft zu scheitern.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

2022 keimte noch Hoffnung auf: Im Gespräch war ein 30-jähriger Schutz für das „kulturelle L“ durch bezahlbare Mieten. Doch bis 2024 zog sich die Kurth Group aus den Verhandlungen zurück und erklärte das Planungsverfahren für gescheitert. Der Investor warf dem Bezirk vor, einen Rahmenvertrag vorgelegt zu haben, der frühere Absprachen unterlief – einseitig zugunsten Berlins.

Hinzu kommt eine komplexe Rechtslage: Paragraf 34 des Baugesetzbuchs erlaubt in ehemaligen Ost-Berliner Gebieten Bauten ohne formellen Bebauungsplan – eine Regelung, die das RAW-Gelände grundlegend verändern könnte. Ohne vollständige Zusammenarbeit des Bezirks und ein abgeschlossenes Planungsverfahren bleiben die Investorenpläne jedoch undurchführbar – und gefährden damit Mieter wie den Club Cassiopeia.

Dessen Geschäftsführer, Florian Falkenhagen, erhielt bereits mündlich die Aufforderung, die Räumlichkeiten bis Monatsende zu räumen. Obwohl der Club seit Ende letzten Jahres Miete zahlt und auf Zeit spielt, droht nun die Zwangsräumung. Die Kurth Group besteht darauf, dass mehrere Projekte – darunter Cassiopeia – in den kommenden Wochen weichen müssen. Währenddessen pulsierte das Gelände am Samstagabend wie gewohnt vor Leben: Bei einer öffentlichen Übertragung eines Fußballspiels herrschte reger Betrieb.

2023 nahmen Bezirk und Eigentümer die Gespräche wieder auf, im Mai schien eine Einigung greifbar. Doch die Zurückhaltung des Bezirks, vorzeitige Baurechte zu gewähren, blockierte den Prozess erneut. Nach fast 11 Jahren Verhandlungen bleibt das Schicksal des RAW-Geländes ungewiss. Mit dem Rückzug der Kurth Group und den rechtlichen Grauzonen im Planungsrecht schweben die Mieter in der Ungewissheit. Ohne Lösung könnte das subkulturelle Erbe des Ortes bald für immer verschwinden.

Quelle