Rheinische Tagebaue werden zu Seen – doch die Flutung birgt massive Risiken
Georgine MansRheinische Tagebaue werden zu Seen – doch die Flutung birgt massive Risiken
Großprojekt zur Flutung dreier ehemaliger Braunkohletagebaue im rheinischen Revier nimmt Gestalt an
Ab 2030 sollen drei ehemalige Braunkohletagebaue im rheinischen Braunkohlerevier mit Wasser aus dem Rhein geflutet werden: die Gruben Hambach, Garzweiler und Inden. Durch die künstlich entstandenen Seen sollen aus den alten Abbaugebieten Naherholungsziele und neue Lebensräume werden – doch Kritiker warnen vor Risiken für die Wasserqualität und die langfristige Nachhaltigkeit des Vorhabens.
Das Projekt sieht den Bau einer 45 Kilometer langen Pipeline vor, die Rheinwasser zum Tagebau Hambach leiten soll. Das System, bestehend aus 10.000 Rohren – einige mit einem Durchmesser von über zwei Metern –, soll 2030 in Betrieb gehen. Die Befüllung der Seen wird voraussichtlich vier Jahrzehnte dauern, wobei auch danach kontinuierlich Wasser zugeführt werden muss, um den Pegel zu halten.
Der Energiekonzern RWE hat bereits die notwendigen Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipeline-Bau erhalten. Noch ausstehend ist jedoch die Erlaubnis, Rheinwasser in den Tagebau Hambach einzuleiten. Das abschließende wasserrechtliche Verfahren soll im Herbst 2026 beginnen und wird von der Bezirksregierung Arnsberg überwacht, die bereits im Januar 2026 die bergrechtliche Zulassung für den Abbau erteilt hatte.
Befürworter des Projekts betonen, dass dadurch ein sich selbst erhaltender Wasserkreislauf in der Region entstehen werde. Zudem solle das Vorhaben Feuchtgebiete nördlich von Garzweiler erhalten und Arbeitsplätze im Tourismus schaffen. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" äußern jedoch Bedenken: Sie verweisen auf mögliche Verunreinigungen durch "ewige Chemikalien" wie PFAS und stellen infrage, ob das Wasser später bedenkenlos für Freizeitaktivitäten genutzt werden kann.
Aktivisten fordern strengere Kontrollen und eine Reinigung des Rheinwassers, bevor es in die Gruben geleitet wird. Gleichzeitig hat der jüngste Bau eines Hyperscale-Rechenzentrums von Microsoft in der Region die Sorgen um Wasserknappheit verstärkt. Einige Kritiker zweifeln zudem daran, ob Teile der gefluteten Tagebaue künftig sicher für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.
Die Flutung des Tagebaus Hambach soll 2030 beginnen, gefolgt von Garzweiler im Jahr 2036 und Inden im Jahr 2040. Das Projekt hängt noch von den finalen behördlichen Genehmigungen und einer kontinuierlichen Wasserbewirtschaftung ab. Gelingt es, wird es die Landschaft der Region nachhaltig prägen – doch die langfristigen Auswirkungen auf die Wasserqualität und die lokalen Ökosysteme bleiben umstritten.






