02 February 2026, 21:23

Rita Süssmuths mutige AIDS-Politik veränderte Deutschland für immer

Ein deutsches Propagandaplakat mit einer Frau mit langen Haaren und Textinformationen über sie.

Rita Süssmuths mutige AIDS-Politik veränderte Deutschland für immer

Rita Süssmuth, eine überzeugte Katholikin und Professorin für Erziehungswissenschaft, wurde 1985 als erste Frau Deutschlands Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ihre Vereidigung am 26. September markierte einen historischen Moment, da sie ihren Amtseid mit den Worten "So wahr mir Gott helfe" leistete – eine für die damalige Zeit seltene Bekräftigung.

Geboren 1937 in Wuppertal als Tochter eines Schulrats, stieg Süssmuth politisch mit Unterstützung von Heiner Geißler auf, einem CDU-Reformer, der sich für die Förderung von Frauen in der Partei einsetzte. Obwohl ihr Ministerium über ein kleines Budget verfügte und als eher unbedeutend galt, prägte sie maßgeblich Deutschlands Umgang mit der AIDS-Krise.

Während ihrer Amtszeit von 1985 bis 1988 setzte Süssmuth statt auf Repression auf Aufklärung und Solidarität. Sie schmiedete Allianzen mit Ärzten, Wissenschaftlern und Betroffenenverbänden und setzte sich für liberale Präventionsmaßnahmen statt Zwangstests ein. Bis zum Herbst 1987 hatte sich die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten gewandelt. Ihre Kampagne "Gib AIDS keine Chance" durchflutete die Medien mit TV-Spots, Plakaten und Druckerzeugnissen – eine Millionen teure Initiative, die jedoch Diskussionen über Kondome, Safer Sex und HIV-Übertragung enttabuisierte. Begriffe wie Samenflüssigkeit, Analverkehr oder Viruslast, einst absolute Tabuthemen, wurden unter ihrer Führung Teil der öffentlichen Debatte.

1987 gründete sie die Deutsche AIDS-Stiftung, um Forschung und Betreuung zu fördern. Ein Jahr später richtete sie das AIDS-Zentrum beim Bundesgesundheitsamt ein. Ihr Ansatz stand im Kontrast zur konservativen "geistig-moralischen Wende", doch sie blieb ihrer Überzeugung treu: Familienpolitik und Frauenrechte im Fokus. Nach ihrer Zeit als Ministerin amtierte sie von 1988 bis 1998 als Bundestagspräsidentin und begleitete den Umzug des Parlaments von Bonn nach Berlin.

Süssmuths Vermächtnis liegt in ihrem pragmatischen und mitfühlenden Umgang mit der AIDS-Epidemie. Sie revolutionierte die Gesundheitspolitik, indem sie Wissenschaft und Empathie über Angst stellte. Ihre Arbeit legte den Grundstein für den modernen deutschen Ansatz in Sachen sexueller Gesundheit und Krankheitsprävention.