28 January 2026, 17:58

Rücktritt von Josefine Paul: Solingen-Affäre und Kita-Reformen stürzen Ministerin

Ein aufgeschlagenes Buch, das eine detaillierte Karte der geografischen Merkmale Westfalens zeigt, liegt auf einer schwarzen Oberfläche.

Rücktritt von Josefine Paul: Solingen-Affäre und Kita-Reformen stürzen Ministerin

Josefine Paul, Ministerin für Kinder, Jugend und Familie in Nordrhein-Westfalen, ist von ihrem Amt zurückgetreten. Ihr Rücktritt am 27. Januar 2026 folgt wachsender Kritik an ihrer Handhabung sowohl des Solinger Messerangriffs als auch der umstrittenen Kita-Reformen. Die Opposition wirft ihr vor, unzureichend kommuniziert und Regierungsprozesse intransparenter gestaltet zu haben.

Paul hatte das Amt seit Juni 2022 inne und war zuständig für die Politikbereiche Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flüchtlinge und Integration. In ihrem Rücktrittsschreiben nannte sie die zunehmende Polarisierung um ihre Führung als Hauptgrund für ihren Schritt. Ausschlaggebend war zudem die Kritik an ihrer Reaktion auf den Messerangriff in Solingen am 23. August 2024, bei dem drei Menschen getötet und mehrere schwer verletzt wurden. Kritiker warfen ihr vor, öffentliche Sorgen nicht ausreichend aufgegriffen zu haben.

Besonders umstritten waren die von ihr vorangetriebenen Kita-Reformen. Ein Gesetzentwurf sah ein sogenanntes 'Kernzeitenmodell' vor, das qualifiziertes Personal auf einen fünfstündigen Zeitraum pro Tag konzentrieren sollte. Außerhalb dieser Stunden wären die Kinder von weniger spezialisierten Betreuungskräften betreut worden. Gegner warnten, dieses Modell würde die Bildungsqualität mindern, da Kinder in einer 45-Stunden-Betreuung nur 20 Stunden von Fachkräften begleitet würden.

Die Freie Wohlfahrtspflege schlug Alarm und warnte, dass vor allem kleine, eingruppige Kitas – viele in ländlichen Regionen oder in Elterninitiativen organisiert – unter dem Plan schließen müssten. Rund 6.000 Betreuungsplätze in etwa 480 Einrichtungen seien gefährdet. Kritiker verwiesen zudem auf einen Widerspruch zum jüngsten Landesvorhaben, die frühkindliche Sprachförderung auszubauen: Die Reformen würden die Bemühungen um frühkindliche Bildung untergraben. Zudem plante die Regierung, ab Sommer 2028 durch gestrichene Subventionen für diese Kitas 2,8 Millionen Euro einzusparen.

Oppositionsabgeordnete verurteilten die Reformen als Rückschritt für die frühkindliche Entwicklung. Paul wurde vorgeworfen, interne Abläufe zu verschleiern und zu langsam auf öffentliche Kritik zu reagieren – insbesondere nach dem Solinger Angriff. Als ihre Nachfolgerin wurde Verena Schäffer ernannt.

Mit Pauls Rücktritt steht die Landesregierung nun vor der Aufgabe, sowohl die Folgen des Solinger Angriffs aufzuarbeiten als auch die Zukunft der Kita-Reformen zu klären. Die geplanten Änderungen, darunter das 'Kernzeitenmodell' und die Kürzungen, bleiben umstritten. Kritiker warnen vor sinkenden Bildungsstandards und möglichen Schließungen. Ihre Nachfolgerin muss diese Herausforderungen bewältigen und gleichzeitig das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen.