"Sancta" an der Staatsoper Stuttgart: Provokation zwischen Kunst und Tabubruch
Georgine Mans"Sancta" an der Staatsoper Stuttgart: Provokation zwischen Kunst und Tabubruch
"Sancta": Ein provokantes Spektakel kommt an die Staatsoper Stuttgart
Dieser Herbst bringt mit Sancta eine mutige Neuinszenierung an die Staatsoper Stuttgart. Unter der Regie von Florentina Holzinger wird das Stück am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November aufgeführt – wobei die November-Termine bereits ausverkauft sind. Bekannt für ihren provokativen Stil, bricht die Produktion radikal mit der Tradition und konfrontiert das Publikum mit extremen Bildern.
Inspiriert von Paul Hindemiths Oper Sancta Susanna (1922) geht Holzingers Version weit über das Original hinaus. Die Frauen in der Inszenierung eignen sich ihre Rolle in der christlichen Geschichte zurück und stellen lang etablierte Normen infrage. Zu sehen sind Nacktheit, inszenierte Verletzungen und sogar Körperaufhängungen – direkte Verweise auf die Wunden Christi und die Idee der Erlösung.
Bei der Premiere führte die Intensität der Darstellung zu mehreren Einsätzen des Rettungsdienstes, obwohl im Voraus deutlich vor möglichen Trigger-Warnungen gewarnt worden war. Dirigentin Marit Strindlund, die am Projekt mitwirkte, gibt zu, dass die Probenphase extrem fordernd war. Die ungewöhnliche Bildsprache, experimentellen Methoden und rohe Ausdruckskraft machten die Oper zu etwas, das sie so noch nie erlebt hatte. Gleichzeitig bezeichnet sie Holzingers Kunst als inklusiv, fesselnd und voller Bedeutung.
Erstmals auf Holzinger aufmerksam wurde Strindlund durch Ophelia's Got Talent, eine Produktion, die ebenfalls Schock und Spektakel verband. Doch hier, so scheint es, sind die Einsätze höher. Holzingers Ansatz – bewusst verstörend und kompromisslos – zielt darauf ab, die "Blase" der konventionellen Oper zu sprengen. Indem das Publikum mit Unbehagen konfrontiert wird, eröffnet die Inszenierung Debatten über tiefgreifende gesellschaftliche Themen, von Geschlechterungerechtigkeit bis zu kollektivem Trauma.
Während die November-Vorstellungen seit Wochen ausverkauft sind, gibt es für die Oktober-Termine noch Karten. Sancta kommt als gezielte Provokation daher – eine Mischung aus heiligen Themen und radikaler Performance-Kunst. Die Verbindung von körperlichen Extremen und feministischen Neudeutungen hat bereits heftige Reaktionen ausgelöst. Wer einen konfrontativen Opernabend erleben möchte, sollte sich also beeilen: Nur die Oktober-Daten stehen noch zur Verfügung.






