01 February 2026, 05:12

Saublodere: Warum der Karneval in Baden-Württemberg so laut knallt

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung von zwei Schweinen in einer Landschaft mit einem Schloss, Bäumen, Hügeln und einem Gewässer im Hintergrund, betitelt mit 'Albrecht Dürer - Die drei Eber'.

Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Saublodere: Warum der Karneval in Baden-Württemberg so laut knallt

Jede Karnevalszeit in Baden-Württemberg hallt das scharfe Knallen der Saublodere durch die Straßen. Diese traditionellen Lärmmacher aus aufgeblasenen Schweineblasen begleiten die schwäbisch-alemannischen Feiern seit Generationen. Doch in den letzten Jahren greifen einige Zünfte aus praktischen Gründen zunehmend zu Rinderblasen.

Die Herstellung einer Saublodere beginnt mit der Beschaffung der Blasen bei örtlichen Metzgern. Nach dem Sammeln werden sie entleert, in Lake eingelegt und gründlich gereinigt. Jede Blase wird anschließend auf Mängel überprüft – nur robuste Exemplare ohne Risse oder Schnitte kommen zum Einsatz.

Vor dem Gebrauch werden die Blasen aufgeblasen, meist mit Druckluft statt wie früher mit dem Mund. Ein Hagenschwanz – ein Stierpenis oder eine Kuhschwanzquaste – wird am Ende der Blase befestigt. Wird das Gerät dann geschwungen und auf den Boden geschlagen, entsteht ein ohrenbetäubender Knall, der Zuschauer aufschrecken lässt und zum lebhaften Karnevalstrubel beiträgt.

Obwohl Schweineblasen nach wie vor Standard sind, setzen manche Zünfte mittlerweile auf Rinderblasen. Dank ihrer größeren Form und höheren Haltbarkeit überstehen sie zwei oder drei Umzüge, bevor sie ersetzt werden müssen. Doch die Symbolik bleibt unverändert: Die aufgeblasene Blase steht für Eitelkeit und Übermaß – ein passendes Motiv für die spöttische Karnevals-Kritik an gesellschaftlichen Normen.

Die Tradition der Saublodere entwickelt sich weiter, wobei die Zünfte die Materialien ihren Bedürfnissen anpassen. Ob aus Schweine- oder Rinderblasen – das laute Knallen bleibt ein prägendes Geräusch des Karnevals in Rottenburg und darüber hinaus. Bisher läuft die Praxis ohne größere Unterbrechungen ab und hält so den jahrhundertealten Brauch am Leben.