21 December 2025, 21:43

"Schmerzlicher Themenbereich": Viele Kindergarten-Pädagogen beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern - aber greifen nicht ein

Kinder auf Bänken im Vordergrund mit Erwachsenen, die sie führen, Stühle, eine Tür, ein Fenster und ein Tisch im Hintergrund, Ballons und Text oben.

"Schmerzlicher Themenbereich": Viele Kindergarten-Pädagogen beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern - aber greifen nicht ein

"Schmerzhaftes Thema": Viele Kita-Fachkräfte beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern – greifen aber nicht ein

GÜTERSLOH. Unangemessenes Verhalten von Mitarbeitenden gegenüber Kindern wird in Kindertageseinrichtungen offenbar weit häufiger beobachtet, als in der Öffentlichkeit bekannt ist.

Eine neue Studie deckt tiefe Sorgen unter Erzieher:innen und frühpädagogischen Fachkräften über den Kinderschutz in Kitas auf. Mehr als ein Viertel des Personals erlebt regelmäßig Situationen, in denen sie das Gefühl haben, eingreifen zu müssen, um ein Kind zu schützen. Doch viele zögern aus Unsicherheit und Angst vor Konflikten im Team.

An der Befragung, an der Erzieher:innen und Leitungen von Kitas teilnahmen, gaben 69 Prozent an, sich belastet zu fühlen, wenn sie Fälle wahrnehmen, in denen Kinder Schutz benötigen. Über ein Drittel beschreibt diese Belastung als stark oder sehr stark. Der häufigste Grund, nicht einzugreifen, ist die Zweifel an der eigenen Einschätzung der Situation.

Auch die Angst vor Ausgrenzung – etwa durch Mobbing oder Isolation – hält Mitarbeitende davon ab, aktiv zu werden. Viele fürchten, Spannungen mit Kollegen oder der Leitung zu provozieren. In fast allen Einrichtungen fehlt zudem ein gemeinsames Verständnis darüber, welches Verhalten Kindern gegenüber angemessen ist. Fachverbände wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden aufgefordert, diese Risiken anzugehen. Die Studie zeigt, dass respektvolle Kommunikation, konsequentes Feedback und eine unterstützende Führung dazu beitragen, Fehlverhalten zu verringern.

Doch nur 40,2 Prozent der Befragten geben an, in ihrem Arbeitsumfeld nie oder fast nie besorgniserregendes Verhalten zu beobachten. Mehr als ein Viertel berichtet sogar häufig von Momenten, in denen sie das Gefühl haben, eingreifen zu müssen. Doch Teamdynamiken und Unsicherheit verhindern dies oft.

Die Ergebnisse offenbaren eine deutliche Lücke zwischen dem Bedarf an Kinderschutz und der Handlungsfähigkeit des Personals. Ohne ein gemeinsames Verständnis von angemessenem Verhalten bleiben viele Erzieher:innen zögerlich. Um hier Abhilfe zu schaffen, braucht es klarere Leitlinien, stärkere Teamunterstützung und Führungsstrukturen, die Bedenken ernst nehmen.