SPD und CDU kämpfen um verlorene Wähler vor der nächsten Landtagswahl
Dragan ZimmerSPD und CDU kämpfen um verlorene Wähler vor der nächsten Landtagswahl
Deutschlands große Parteien suchen nach Wegen, abgewandte Wähler zurückzugewinnen
SPD und CDU haben unabhängige Initiativen gestartet, um enttäuschte Anhänger zu verstehen – und wieder für sich zu gewinnen. Gleichzeitig sorgt der Versuch eines ehemaligen Spitzjuristen, die wandelnden Loyalitäten zu analysieren, für Debatten quer durch das politische Spektrum.
In Nordrhein-Westfalen hat die SPD seit der Landtagswahl 2022 massiv an Unterstützung verloren. Aktuelle Umfragen sehen die Partei bei nur noch 18 bis 20 Prozent – ein Rückgang von 26,7 Prozent –, während die CDU mit 35 bis 40 Prozent klar führt. Auch die rechtspopulistische AfD legte zu und kommt in jüngsten Erhebungen auf etwa 15 Prozent.
Um dem Trend entgegenzuwirken, hat die SPD eine Online-Plattform eingerichtet, auf der ehemalige Stammwähler ihre Frustrationen äußern können. Die Partei hofft, so Vertrauen zurückzugewinnen und vor der Landtagswahl 2027 neuen Schwung zu entwickeln. Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link könnte zudem als SPD-Spitzenkandidat antreten – und würde damit auf einen möglichen Machtkampf mit CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst zusteuern.
Auch die CDU geht ungewöhnliche Wege, um die Wählerwanderung zu begreifen: Sie ließ eine Psychologin analysieren, welche Emotionen AfD-Anhänger antreiben. Der Schritt zeigt die wachsende Sorge über den Einfluss der Rechtspopulisten.
Ex-Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle heizte die Diskussion weiter an: In einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung skizzierte er die fiktive Figur Torsten, um zu ergründen, warum ehemalige SPD-Wähler heute die AfD unterstützen. Die Reaktionen fallen gespalten aus – manche loben den Versuch, sich einfühlsam mit den Beweggründen auseinanderzusetzen, andere kritisieren die Darstellung als vereinfachende Verharmlosung komplexer politischer Verwerfungen.
Der Niedergang der SPD und der Aufstieg der AfD zwingen beide Volksparteien zum Umdenken. Online-Foren, psychologische Analysen und prominente Debattenbeiträge sind nun Teil der Strategie, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Auch wenn die nächste Landtagswahl noch Jahre entfernt ist, deutet sich in Nordrhein-Westfalen bereits ein früher Kampf um das Vertrauen der Wähler an.






