Wellyou-Kampagne löst mit freizügigen Motiven bundesweite Empörung aus
Gordon AdlerWellyou-Kampagne löst mit freizügigen Motiven bundesweite Empörung aus
Eine umstrittene Werbekampagne des Fitnessstudio-Betreibers Wellyou hat in Deutschland scharfe Kritik ausgelöst. Die Anzeigen zeigen nackte, muskulöse Menschen beim Training, deren Genitalien nur minimal bedeckt sind. Beim Deutschen Werberat sind bereits Dutzende Beschwerden eingegangen – eine ungewöhnlich hohe Resonanz für eine einzelne Kampagne.
Das Video wurde sowohl vom Werberat als auch von der Landesfrauenbeauftragten Bremen als sexistisch eingestuft. Wellyou betont, die Werbung feiere Stärke und Disziplin, nicht Sexualisierung – doch die öffentliche Empörung deutet auf eine andere Wahrnehmung hin.
Die Kampagne zeigt durchtrainierte Körper bei verschiedenen Übungen, wobei intime Bereiche kaum verdeckt sind. Die Fitnesskette argumentiert, die Bilder spiegelten Selbstbewusstsein und sportliche Erfolge wider. Kritiker:innen werfen dem Unternehmen jedoch vor, Menschen – insbesondere Frauen – auf sexuelle Objekte zu reduzieren.
In Bremen können Bürger:innen sexistische Werbung bei der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten melden. Diese Behörde hat die Befugnis, die Entfernung anstößiger Plakate aus dem öffentlichen Raum zu verlangen. Seit 2017 gehen in der Stadt weniger Meldungen zu sexistischer Werbung ein, was auf eine sinkende Toleranz für solche Darstellungen hindeutet.
Der Deutsche Werberat zeigt in der Regel Wirkung, wenn er Unternehmen öffentlich rügt: Oft passen diese daraufhin ihre Kampagnen an. Daten aus dem Jahr 2024 belegen, dass 73 von 182 geprüften Fällen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts betrafen – die Zahlen für 2025 stehen noch aus. Provokante Werbung ist kein neues Phänomen, doch sie schlägt schnell in Ablehnung um, wenn sie als grenüberschreitend empfunden wird.
Wellyou hält an der Darstellung fest, die Kampagne stehe für Ermächtigung, nicht für Ausbeutung. Die heftigen Reaktionen legen jedoch nahe, dass viele diese Deutung nicht teilen.
Nun liegt das Schicksal der Kampagne in den Händen der Aufsichtsbehörden, die Wellyou zum Rückzug oder zur Überarbeitung der Werbung zwingen könnten. Frühere Fälle zeigen, dass öffentlicher Druck oft zu Änderungen bei umstrittenen Kampagnen führt. Die Debatte darüber, wo die Grenze zwischen mutigem Marketing und schädlichen Klischees verläuft, dauert derweil an.






