Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte – wer ist schuld?
Ignaz KreuselHausarztmangel in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte – wer ist schuld?
Nordrhein-Westfalens Region Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte pro Einwohner
Aktuelle Zahlen zeigen: In der Region Westfalen-Lippe kommen nur noch 61 Hausärzte auf 100.000 Einwohner – der niedrigste Wert aller kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland. Politiker streiten nun darüber, wer die Schuld an der wachsenden Ärzteknappheit trägt und wie sie zu beheben ist.
Laut dem neuesten Bundesärzteregister liegt Westfalen-Lippe beim Hausärzte-Ranking auf dem letzten Platz. Mit lediglich 61 Medizinerinnen und Medizinern pro 100.000 Menschen ist die Versorgung hier am prekärsten. Die SPD spricht von einer Krise und macht dafür direkt die Politik von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) verantwortlich.
Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, bezeichnete die Zahlen als "vernichtendes Urteil" über Laumanns Amtszeit. Ihre Partei fordert dringende Maßnahmen, um die sich weiter verschärfenden Versorgungslücken zu schließen. Der CDU-Abgeordnete Daniel Hagemeier wies die Vorwürfe zurück und nannte die Debatte ein "Eigentor" der SPD – Vorwürfe, die er als politische Profilierungssuche abtat.
Laumann wies den Vorwurf zurück, sein Ministerium habe das Problem vernachlässigt. Er räumte ein, dass die Lösung des Hausärztemangels Zeit brauche – unter anderem wegen der langen Ausbildungszeiten und der Notwendigkeit langfristiger Planung über eine einzige Legislaturperiode hinaus. Als eine zentrale Maßnahme führte er die Landarztquote ein: 1.100 Medizinstudierende haben sich verpflichtet, nach ihrem Abschluss ein Jahrzehnt lang als Hausärzte in unterversorgten Regionen zu arbeiten. Doch wegen der langen Ausbildungsdauer werden die ersten von ihnen erst 2030 in die Praxis starten.
Versuche, die Zahl der Hausärzte zu erhöhen, gibt es bereits seit Längerem. Ein 2009 gestartetes Landesprogramm hat bereits über 1.000 neue Praxen in unterversorgten Gebieten Nordrhein-Westfalens gefördert – vier Fünftel der Mittel flossen dabei nach Westfalen-Lippe. Dennoch bleibt die Ärztedichte in der Region die schlechteste Deutschlands.
Die Diskussion um den Hausärztemangel in Westfalen-Lippe dauert an, während die politischen Gräben tiefer werden. Zwar gibt es langfristige Ansätze wie die Landarztquote, doch deren Wirkung wird sich erst in Jahren zeigen. Bis dahin bleibt die Region bundesweit Schlusslicht – ohne Aussicht auf schnelle Besserung.






