05 June 2026, 18:54

Wie 20 Frauen 1973 mit einem Streik die Lohnungerechtigkeit in Deutschland brachen

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

Wie 20 Frauen 1973 mit einem Streik die Lohnungerechtigkeit in Deutschland brachen

Im August 1973 löste eine kleine Gruppe von Frauen im Pierburg-Werk in Neuss einen historischen Streik aus. Ihr Protest gegen ungerechte Löhne entwickelte sich rasant zu einer Bewegung, die die Lohndiskriminierung in ganz Deutschland herausforderte. Die Beschäftigten – überwiegend Frauen, viele mit Migrationshintergrund – forderten Gleichbehandlung und setzten sich durch.

Der Streik begann am 13. August 1973, als etwa 20 Frauen die Pierburg-Fabrik verließen. Sie wurden nach dem Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ bezahlt, obwohl sie dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen erledigten. Innerhalb weniger Tage schlossen sich Hundert weitere Arbeiterinnen und Arbeiter an – unter dem Schlachtruf „Eine Mark mehr!“

Die Belegschaft bei Pierburg bestand größtenteils aus Frauen, darunter viele Migrantinnen aus Ländern wie Italien, Griechenland und der Türkei. Ihr Kampf fand breite Unterstützung, unter anderem von Künstlern wie Joseph Beuys und Arbeitern aus anderen Städten. Selbst männliche Kollegen im Werk solidarisierten sich – ein seltenes Zeichen der Einheit in jener Zeit.

Die Arbeitgeber wehrten sich zunächst, lenkten aber schließlich ein: Sie boten eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und willigten ein, die Einstufung „leichte Arbeitsgruppe 2“ abzuschaffen – damit endete das diskriminierende Lohnsystem. Doch der Streik wurde mit harter Polizeigewalt niedergeschlagen. Beamte gingen gewaltsam gegen Proteste vor, ein Polizist soll rassistische Beleidigungen geäußert haben.

Der Sieg bei Pierburg hatte nachhaltige Wirkung. Die Abschaffung der „leichten Arbeitsgruppe 2“ setzte sich bald bundesweit durch und markierte einen Wendepunkt im Kampf um gleiche Bezahlung.

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Der Pierburg-Streik brachte mehr als nur höhere Löhne. Er zwang zur Abschaffung eines diskriminierenden Entlohnungssystems und setzte einen Präzedenzfall für Arbeitsplatzgerechtigkeit in Deutschland. Die Solidarität der männlichen Kollegen und der breiten Öffentlichkeit zeigte zudem, wie sich die Einstellung zu Arbeitnehmerrechten zu verändern begann.

Quelle