Wie die AfD vom Rand zur Macht kam – und warum Misstrauen sie stärkt
Ignaz KreuselWie die AfD vom Rand zur Macht kam – und warum Misstrauen sie stärkt
Die Alternative für Deutschland (AfD) hat sich in etwas mehr als einem Jahrzehnt von einer randständigen EU-skeptischen Gruppierung zu einer bedeutenden politischen Kraft entwickelt. Gegründet 2013, verlagerte die Partei nach der Flüchtlingskrise 2015 ihren Fokus, gewann an Zuspruch – verlor dabei aber rund ein Fünftel ihrer 21.000 Mitglieder durch interne Konflikte. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani untersucht nun, warum unter ihren Anhängern das Misstrauen gegenüber der Demokratie fortbesteht – und wie digitale Netzwerke diesen Trend befeuern.
Die AfD startete als Partei mit Kritik an der EU und dem Euro. 2013 verfehlte sie mit 4,7 Prozent bei der Bundestagswahl knapp den Einzug ins Parlament. 2017 zog sie in den Bundestag ein, und 2025 verdoppelte sie ihr Ergebnis von 2021 – mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin. Umfragen Ende 2024 sahen sie sogar als zweitstärkste Kraft in Deutschland.
El-Mafaalani, Soziologe aus Dortmund, argumentiert, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD das Vertrauen in die Demokratie nicht wiederherstellen werden. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in staatliche Institutionen, Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren. Er zeigt auf, wie populistische Strategen gezielt das Vertrauen in diese Systeme untergraben.
Digitale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. Misstrauische Einzelne vernetzen sich online, bilden geschlossene Gruppen und lehnen etablierte Institutionen ab. Stattdessen setzen sie auf Gleichgesinnte und Parteien, die der liberalen Demokratie feindlich gegenüberstehen. El-Mafaalanis Analyse wirft auch Licht auf den Aufstieg von Figuren wie Trump oder der AfD – und liefert Ansätze für wirksamere Gegenstrategien gegen Rechtspopulismus.
Seine Arbeit macht deutlich: Vertrauen lässt sich nicht allein durch die Widerlegung rechtsextremer Behauptungen zurückgewinnen. Vielmehr verweist seine Forschung auf tiefgreifendere strukturelle Herausforderungen im Umgang mit Demokratie. Der Aufstieg der AfD wiederum spiegelt größere Trends der politischen Polarisierung und digitalen Mobilisierung wider.






