18 April 2026, 16:30

Wie Dresdens Underground-Kunst die Obergrabenpresse zu einem Kultprojekt machte

Schwarz-weiß-Illustration eines großen Auditoriums mit Sitzreihen und architektonischen Details, begleitet von gedrucktem Text, der das Layout des Berliner Theaters von 1912 beschreibt.

Wie Dresdens Underground-Kunst die Obergrabenpresse zu einem Kultprojekt machte

Mitte der 1970er-Jahre schlossen sich in Dresden Künstler:innen und Drucker:innen zusammen, um einen einzigartigen kreativen Ort zu schaffen. Was als informelle Zusammenarbeit begann, entwickelte sich bald zur Dresdner Obergrabenpresse – einer Kombination aus Druckwerkstatt, Verlag und Galerie. Das Projekt vereinte Maler:innen, Theoretiker:innen und Handwerker:innen unter einem Dach.

Die Wurzeln der Presse reichen bis ins Jahr 1971 zurück, als der Künstler A.R. Penck die Gruppe "Lücke" mitgründete. Bis 1976 hatte sich das Kollektiv zwar aufgelöst, doch seine Mitglieder blieben in Dresdens Underground-Kunstszene aktiv. Zur gleichen Zeit stießen Eberhard Göschel und Peter Herrmann zur Arbeitsgruppe des Leonhardi-Museums und vertieften so ihre Verbindungen zu den kulturellen Kreisen der Stadt.

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Der Drucker Jochen Lorenz, müde von Routineaufträgen wie Fahrplänen der Bahn, sehnte sich nach anspruchsvolleren Projekten. Peter Herrmann besaß eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die der Techniker Bernhard Theilmann sorgfältig restaurierte. Unterdessen verfeinerte Penck seine Theorie "Vom Untergrund zum Oberground", in der er erforschte, wie marginalisierte Kunst ein breiteres Publikum erreichen könnte.

1978 zog Göschel in ein größeres Atelier um, wodurch eine Dreizimmerwohnung frei wurde. Dieser Raum wurde zum Herzstück der Obergrabenpresse, in dem Künstler:innen mit Druckgrafik, Ausstellungen und Publikationen experimentieren konnten. Das Kollektiv startete offiziell als künstlerisch geleitetes Projekt und verband handwerkliche Präzision mit avantgardistischen Ideen.

Die Dresdner Obergrabenpresse entwickelte sich zu einem lebendigen Ort des kreativen Austauschs, der traditionelles Druckhandwerk mit zeitgenössischer Kunst verband. Ihre Gründung basierte auf geteilten Ressourcen – von restaurierten Maschinen bis hin zu umgenutzten Wohnräumen. Das Projekt hinterließ bleibende Spuren in Dresdens Kulturszene und bewies, wie Zusammenarbeit aus begrenzten Mitteln etwas Bahnbrechendes schaffen kann.

Quelle