20 December 2025, 18:06

AfD: Keine Fingerkr"{u}mmchen f"{u}r die BRD

Ein Buchumschlag mit Armee-Panzern und Jeeps in einer Kriegs-Szene mit Text "{u ber der Illustration.

AfD: Keine Fingerkr"{u}mmchen f"{u}r die BRD

AfD: Kein Fingerkrümmen für die BRD

Teaser: Seit der Abstimmung über das Wehrdienstmodernisierungsgesetz gibt es in der AfD Streit über das Verhältnis der Partei zum Militär. Ein Bundestagsabgeordneter erhielt einen Verweis – weil er Björn Höcke kritisiert hatte.

Ein erbitterter Richtungsstreit ist in der Alternative für Deutschland (AfD) über Wehrpflicht und nationale Identität entbrannt. Ausgelöst wurde die Kontroverse, nachdem die Partei gegen ein Gesetz zur Modernisierung der Wehrpflicht gestimmt hatte – eine Entscheidung, die viele ehemalige Soldaten verärgert hat. Im Kern des Konflikts stehen tiefe ideologische Gräben: Auf der einen Seite Befürworter eines völkisch-autoritären Staates, auf der anderen Vertreter einer Rückkehr zu einer traditionell-konservativen Republik.

Die Auseinandersetzung spitzte sich zu, als der AfD-Abgeordnete Rüdiger Lucassen den führenden Rechtspopulisten Björn Höcke öffentlich kritisierte. Lucassen warf Höcke vor, das heutige Deutschland für nicht mehr verteidigungswürdig zu halten – eine Aussage, die bei Höcke und seinen Anhängern auf scharfen Widerspruch stieß.

Der Streit begann mit der Ablehnung des Wehrmodernisierungsgesetzes durch die AfD, das die Wehrpflicht reformieren sollte. Viele ehemalige Soldaten in der Partei, darunter der Westdeutschland-Veteran Lucassen, zeigten sich frustriert: Eine starke Bundeswehr und der allgemeine Wehrdienst seien essenziell für die Landesverteidigung, so ihre Argumentation. Lucassen, der sich für die Wehrpflicht ausspricht, griff Höcke später direkt an und behauptete, der Thüringer AfD-Chef halte Deutschland für „nicht mehr opferwürdig“.

Höcke konterte scharf: Er werde „für das Fortbestehen Deutschlands kämpfen und sterben“ – aber nicht für die heutige Bundesrepublik. Seine Unterscheidung zwischen dem „deutschen Volk“ und dem demokratischen Staat spiegelt eine grundsätzliche ideologische Spaltung wider. Höcke und seine Gefolgsleute, geprägt von Denkern der Neuen Rechten, betrachten den bestehenden Staat als korrupt und fordern seine Ablösung durch eine ethnonationalistische Ordnung.

Eine dritte Strömung in der Debatte ist das Netzwerk um Götz Kubitschek, Verleger des Magazins Antaios und Leiter des Instituts für Staatspolitik. Zu diesem Kreis zählen auch Jürgen Elsässer (Compact-Magazin) und der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider. Sie treten für Aufrüstung und einen verpflichtenden nationalen Dienst ein, lehnen die heutige Bundeswehr jedoch als schwach und verfallen ab. Nur ein völkisch-autoritärer Staat könne, so ihre Überzeugung, junge Männer effektiv für die Verteidigung mobilisieren. Ihr Konzept verbindet militärische Disziplin mit dem Ziel, nationale Stärke und ethnische Homogenität wiederherzustellen.

Der Konflikt offenbart eine klare Zäsur: Die eine Seite will den bestehenden Staat vollständig abschaffen, die andere strebt eine Rückkehr zu den vermeintlich verlorenen Tugenden der alten Bundesrepublik an. Lucassens Kritik an Höcke führte zu einem offiziellen Verweis durch seine eigene Fraktion – ein weiterer Beleg für die Spannungen. Viele in der Partei stehen nun vor der Wahl: Loyalität zu Höckes radikalem Nationalismus oder zur militärfreundlicheren, konservativen Linie Lucassens.

Die Debatte geht über die Wehrpflicht hinaus und berührt das grundsätzliche Verhältnis der AfD zur Bundeswehr. Ehemalige Soldaten in der Partei, die den Militärdienst oft als Pflicht für den Staat verstehen, geraten in Konflikt mit jenen, die die Armee als Symbol eines gescheiterten Systems betrachten. Der Streit lässt die AfD um eine Versöhnung ihrer widersprüchlichen Deutschlandbilder ringen.

Der interne Konflikt über die Wehrpflicht hat die ideologischen Brüche der AfD schonungslos offengelegt. Lucassens Rüge und Höckes trotziges Auftreten zeigen, wie zersplittert die Partei bleibt. Während die eine Fraktion einen radikalen Systemumbruch fordert, klammert sich die andere an eine verklärte Vergangenheit. Eine Lösung des Streits ist nicht in Sicht – sein Ausgang wird nicht nur die Verteidigungspolitik der AfD prägen, sondern auch ihre politische Ausrichtung in den kommenden Jahren.