Deutsche Unternehmen scheitern an der digitalen Souveränität – trotz hoher Ziele
Georgine MansDeutsche Unternehmen scheitern an der digitalen Souveränität – trotz hoher Ziele
Eine neue Studie offenbart eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, wenn es um die digitale Souveränität deutscher Unternehmen geht. Zwar erkennen 92 Prozent der Firmen deren Bedeutung an, doch nur ein kleiner Teil hat konkrete Pläne umgesetzt. Die Erkenntnisse stammen aus dem Digital-Souveränitäts-Index (DSI), einer gemeinsamen Untersuchung des IT-Dienstleisters Adesso und des Handelsblatt Research Institute.
Laut der Umfrage streben die meisten Unternehmen ein Souveränitätsniveau von 77,8 Prozent an – nicht jedoch vollständige Unabhängigkeit. Der aktuelle Reifegrad liegt im Schnitt jedoch nur bei 65,8 Prozent. Diese Lücke zeigt, wie stark Unternehmen bei kritischen Technologien wie Cloud Computing, Software und KI weiterhin auf nicht-europäische Anbieter angewiesen sind.
Die Verantwortung für digitale Souveränität liegt in den meisten Fällen bei den IT-Abteilungen: 46 Prozent der Unternehmen übertragen sie dorthin. Nur 25 Prozent binden den Vorstand ein, und lediglich 13 Prozent verankern das Thema in der Unternehmensstrategie. Dennoch wären 80 Prozent der Firmen bereit, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnt, dass Unternehmen die strategische Bedeutung digitaler Souveränität häufig unterschätzen. Seine Aussagen unterstreichen die Diskrepanz zwischen Erkenntnis und Umsetzung.
Die Studie zeichnet ein deutliches Bild: Zwar gilt digitale Souveränität als unverzichtbar, doch nur wenige Unternehmen behandeln sie als Priorität. Da die Mehrheit bereit ist, mehr in souveräne Alternativen zu investieren, besteht die Herausforderung nun darin, das Bewusstsein in strukturiertes Handeln umzuwandeln. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine stärkere Einbindung der Führungsebene und langfristige Planung erforderlich sind.






