Deutschlands erster Antiziganismus-Beauftragter will Vorurteile und Diskriminierung bekämpfen
Dragan ZimmerDeutschlands erster Antiziganismus-Beauftragter will Vorurteile und Diskriminierung bekämpfen
Michael Brand ist als erster ständiger Antiziganismus-Beauftragter Deutschlands ernannt worden. Die Berufung folgt auf öffentliche Empörung und markiert einen Wandel im Umgang des Landes mit der Diskriminierung von Sinti und Roma. Sein Auftrag ist klar: Vorfälle aufdecken, Betroffenen Unterstützung bieten und gesellschaftliche Vorurteile bekämpfen.
Die neue Position entstand als Reaktion auf die historische Verantwortung Deutschlands für den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma. Brand, der zugleich als Parlamentarischer Staatssekretär im Familien- und Bildungsministerium tätig ist, soll die Einflussmöglichkeiten des Beauftragten stärken. Sein Ziel ist es, Antiziganismus sichtbarer zu machen und gleichzeitig Beratung sowie Interessenvertretung für betroffene Gemeinschaften anzubieten.
Die Meldungen über antiziganistische Vorfälle haben stark zugenommen. Das MIA-Monitoringszentrum in Berlin verzeichnete im vergangenen Jahr einen Anstieg um 30 Prozent – ein besorgniserregender Trend wachsender Feindseligkeit. Baden-Württemberg geht bei der Bekämpfung von Rassismus voran, wobei Organisationen wie der Flüchtlingsrat und das Antira-Netzwerk lokale Initiativen anführen.
Brand stellte klar, dass die umstrittenen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz im vergangenen Herbst über das "Stadtbild" nicht gegen Sinti und Roma gerichtet waren. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, kriminelle Netzwerke im Zusammenhang mit Slum-Unterkünften zu bekämpfen, ohne dabei Roma-Migrant:innen pauschal unter Generalverdacht zu stellen. Zwar räumte er Probleme innerhalb der Strafverfolgungsbehörden ein, doch bleibe die Polizei ein unverzichtbarer Partner im Kampf gegen Diskriminierung.
Die Bund-Länder-Kommission gegen Antiziganismus arbeitet daran, den Zugang zu Bildung für Sinti und Roma zu verbessern. Brands Ernennungsverfahren wurde als regulär beschrieben; nun steht er vor der Herausforderung, Durchsetzungsfähigkeit mit Dialogbereitschaft in Einklang zu bringen.
Die Stelle des Beauftragten ist nun dauerhaft eingerichtet – ein Zeichen für das langfristige Engagement gegen Antiziganismus. Zu Brands Plänen gehören die Dokumentation von Übergriffen, die Unterstützung von Opfern und die Forderung nach strukturellen Veränderungen. Der Anstieg gemeldeter Vorfälle unterstreicht die Dringlichkeit seines Auftrags.