Ibbenbürens Kohlevergangenheit wird zum Energiespeicher der Zukunft
Ignaz KreuselIbbenbürens Kohlevergangenheit wird zum Energiespeicher der Zukunft
Ehemaliges Steinkohlebergwerk in Ibbenbüren wird zu einem der größten Batteriespeicher für erneuerbare Energien in Europa
Ein stillgelegtes Steinkohlebergwerk in Ibbenbüren, Deutschland, soll zu einer der größten Batteriespeicheranlagen für erneuerbare Energien in Europa umgebaut werden. Das mit 300 Millionen Euro finanzierte Projekt zielt darauf ab, das ehemalige Gelände in einen zentralen Energieknotenpunkt für Westfalen und das Ruhrgebiet zu verwandeln. Lokale Verantwortliche sehen darin einen wichtigen Schritt beim Wandel der Region von der Kohle zu den erneuerbaren Energien.
Die Anlage wird Strom aus norddeutschen Windparks speichern und bei hohem Bedarf ins Netz einspeisen. Mit einer Kapazität von 1,9 Gigawattstunden könnte sie bis zu 500.000 Haushalte zweimal täglich mit Strom versorgen. Das System setzt auf Hunderte von LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat), wie sie auch in vielen Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen.
Ein entscheidender Vorteil des Standorts ist seine bestehende Anbindung an das Hochspannungsnetz. Gelegen in der Region Tecklenburger Land, etwa 50 bis 100 Kilometer landeinwärts von der Nordsee, entfällt hier der Bedarf an umfangreicher neuer Infrastruktur. Allerdings könnte die Entfernung zu den Offshore-Windparks zu höheren Übertragungsverlusten und Kosten führen – wie die Projektverantwortlichen dies konkret lösen wollen, ist bisher noch nicht detailliert worden.
Der Großspeicherverband (GFGBA) rechnet mit einer Inbetriebnahme bis Herbst 2028, auch wenn Verzögerungen nicht ausgeschlossen sind. Ibbenbürens Bürgermeister Marc Schrameyer (SPD) bezeichnete das Vorhaben als "grüne Steckdose" für die Region. Über die Energiespeicherung hinaus plant die Stadt, das ehemalige Bergwerk und Kraftwerk zu einer neuen Industrie- und Gewerbezone umzugestalten.
Bei Erfolg könnte die Anlage als Backup-Stromversorgung für die gesamte Region dienen. Ihre Größe und Lage würden sie zu einem zentralen Baustein des deutschen erneuerbaren Energienetzes machen und helfen, Angebot und Nachfrage auszugleichen.
Die Investition von 300 Millionen Euro verwandelt einen ehemaligen Kohlestandort in eine moderne Energieinfrastruktur. Sobald die Anlage in Betrieb geht, könnte sie die Netzstabilität stärken und den Übergang zu erneuerbaren Energien unterstützen. Gleichzeitig markiert das Projekt einen wirtschaftlichen Neuanfang für Ibbenbüren im Zuge des Kohleausstiegs.