Immer mehr Jugendliche in NRW wenden sich von der Demokratie ab – warum?
Dragan ZimmerImmer mehr Jugendliche in NRW wenden sich von der Demokratie ab – warum?
Junge Menschen in Nordrhein-Westfalen zeigen wachsende Unzufriedenheit mit der Demokratie
Ein neuer Bericht offenbart: Immer mehr Jugendliche in Nordrhein-Westfalen wenden sich von der Demokratie ab. Wie der Jugenddemokratie-Report 2025 zeigt, hat die Unzufriedenheit unter 14- bis 18-Jährigen seit 2021 deutlich zugenommen. Nur noch die Hälfte ist mit der Funktionsweise der Demokratie zufrieden – ein drastischer Rückgang gegenüber 77 Prozent vor gerade einmal zwei Jahren.
Die vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration veröffentlichte Studie zeichnet ein besorgniserregendes Bild. Während 2021 noch 28 Prozent der Jugendlichen unzufrieden mit der Demokratie waren, liegt dieser Wert heute bei 35 Prozent. Besonders stark schwindet die Unterstützung demokratischer Werte bei unter 45-Jährigen, vor allem in der Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen.
Die Forscher unterteilten die jungen Menschen in drei Gruppen: 44 Prozent gelten als "überzeugte Demokraten", 42 Prozent als "labile Demokraten" und 8 Prozent als "Demokratiegegner". Undemokratische Ansichten verbreiten sich zusehends – so stimmen 47 Prozent der Aussage zu, die Gesellschaft würde von einer starken Einheitspartei profitieren. Weitere 15 Prozent halten eine Diktatur unter bestimmten Umständen sogar für akzeptabel.
Auch das Vertrauen in zentrale Institutionen ist gesunken, besonders bei jüngeren Altersgruppen. Der Bericht identifiziert digitale Räume – soziale Medien, Chatgruppen und Gaming-Communities – als Brennpunkte für extremistische Botschaften und Radikalisierung. Bundesbildungsministerin Karin Prien warnte vor der Zunahme von Frauenfeindlichkeit, Gewalt und Extremismus, die gezielt junge Menschen im Netz ansprechen.
Gleichzeitig wünschen sich 76 Prozent der befragten Jugendlichen, dass Schulen politische Themen stärker behandeln. Die klassische politische Bildung kommt gegen den Einfluss digitaler Extremismuspropaganda kaum an und lässt viele junge Menschen schutzlos gegenüber schädlichen Ideologien zurück.
Die Ergebnisse unterstreichen die wachsende Kluft zwischen Jugendlichen und demokratischen Institutionen. Da nur noch die Hälfte mit der Leistung der Demokratie zufrieden ist, fordert der Bericht eine Stärkung der politischen Bildung und Maßnahmen gegen Online-Radikalisierung. Schulen und Politiker stehen nun vor der Herausforderung, diese Haltungswandel zu adressieren, bevor sie sich weiter verfestigen.






