Kölner Karneval hält an umstrittenen Tieren im Umzug fest – trotz wachsender Kritik
Dragan ZimmerPferde beim Rosenmontagsumzug in Köln? Ein Für und Wider - Kölner Karneval hält an umstrittenen Tieren im Umzug fest – trotz wachsender Kritik
Die Tradition, tiere in Karnevalsumzügen einzusetzen, stößt in Deutschland auf wachsende Ablehnung. Während Städte wie Bonn sie bereits verboten haben, hält köln trotz zunehmender Kritik an der Praxis fest. Neue Vorschriften und öffentliche Debatten prägen nun die Zukunft dieses langjährigen Brauchs.
Pferde sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Kölner Rosenmontagszugs – in diesem Jahr werden rund 230 tiere erwartet. Doch die Bedenken hinsichtlich Tierschutz und Sicherheit haben sich in letzter Zeit verschärft. Laute Musik, jubelnde Menschenmengen und fliegende Kamelle führen häufig zu sichtbarem Stress bei den tiere, was bereits zu Vorfällen mit durchgehenden oder panischen Pferden geführt hat.
Tierschutzorganisationen wie PETA und der Deutsche Tierschutzbund fordern seit Langem ein vollständiges Verbot. Sie argumentieren, dass der Umzug die tiere unnötigem Leid und Unfallrisiken aussetzt. Eine INSA-Umfrage von Anfang 2025 ergab, dass mittlerweile eine Mehrheit der Bevölkerung ein solches Verbot unterstützt.
Einige Städte haben bereits Konsequenzen gezogen: Bonn strich 2023 die tiere offiziell aus seinem Umzug und ersetzte sie durch Musikgruppen, Tanzformationen und Wagen. Die Entscheidung stieß auf geteilte Reaktionen – manche Bürger bedauerten den Schritt, andere begrüßten die erhöhte Sicherheit. Derweil diskutiert der Kölner Stadtrat zwar über das Thema, hält aber weiterhin an der Tradition fest.
Der bekannte Karnevalskünstler Jacques Tilly sprach sich gegen den Einsatz von tiere aus und bezeichnete die Praxis als überholt. Als Reaktion führte das Festkomitee des Kölner Karnevals strengere Richtlinien ein, darunter regelmäßiges Training, Qualifikationsprüfungen für die Begleitpersonen und Lärmgrenzen. Zwar sollen diese Maßnahmen den Stress für die tiere verringern, sie sind jedoch freiwillig und nicht rechtlich bindend. Zudem müssen Tierärzte in Bereitschaft stehen, und die Begleiter haben spezifische Protokolle einzuhalten.
Kritiker halten den Maßnahmen entgegen, dass die Umzugsbedingungen – enge Straßen, plötzliche Geräusche und hektische Bewegungen – für die tiere grundlegend belastend bleiben.
Die Diskussion über tiere in Karnevalsumzügen ebbt nicht ab. Bonns Verbot setzt ein Zeichen, doch Großstädte wie köln, Düsseldorf und Mainz behalten sie vorerst in ihren Feierlichkeiten bei. Die Tradition besteht also weiter – allerdings unter schärferer Beobachtung und einem sich wandelnden Meinungsbild in der Bevölkerung.